Werkstattbericht: Urbanes Gärtnern im Ruhrgebiet
Werkstattbericht:
Urbanes Gärtnern
im Ruhrgebiet
Mehr Gemeinschaftsgärten im Ruhrgebiet – wie geht das? Dieser Frage sind Jonas Runte und Nils Rehkop kürzlich in einer weiteren digitalen Werkstatt von lala.ruhr nachgegangen. Als Mitglieder der Dortmunder Urbanisten können sie aus jahrelanger praktischer Erfahrung in der Umsetzung von Gemeinschaftsgärten berichten.
Öffentlich, gemeinschaftlich und freiwillig – das sind die Kernelemente der Definition von urbanen Gärten. Mehr als 100 urbane Gärten und etwa 1600 Kleingartenanlagen existieren in NRW. In der Stadt in Form von Gemeinschaftsgärten, Schulgärten, Guerilla Gardening und „Essbare Stadt“-Arealen, stadtnah als Mietäcker oder Flächen für solidarische Landwirtschaft. Die Anlagen bedienen dabei vielfältige Aspekte: neben dem Umweltschutz und der der Stärkung von Artenvielfalt stehen insbesondere soziale Aspekte im Vordergrund. Zusammen Gärtnern fördert unter anderem Begegnung und Austausch, Identifikation mit dem Quartier, spart durch den Aspekt der Selbstversorgung Geld.
Allerdings reiche es nicht aus, Menschen „einen Garten vor die Tür zu setzen“. Viel wichtiger sei der Erfahrung der Urbanisten nach der Aufbau einer motivierten Gruppe, die motiviert ist sich die Hände schmutzig zu machen. Nicht nur mit Erde, sondern auch mit mitunter anstrengendem Ausfüllen von Papieren. Nichtsdestotrotz: Gemeinsam Gärtnern im Ruhrgebiet ist möglich und es macht Spaß, so das Fazit. Wer sich für die verschiedenen Beispiele aus Dortmund und Umgebung sowie Hinwiese auf Fördermöglichkeiten interessiert, findet hier die Präsentation zum Workshop: Urbane-Gärten-im-Ruhrgebiet-die-Urbanisten
Text: Jonas Runte/Sonja Broy
Foto: die Urbanisten e.V.

Die Urbanisten sind unter anderem im Dortmunder Westgarten aktiv.
Werkstattbericht: Urbane Biodiversität
Werkstattbericht:
Urbane
Biodiversität
Der Zusammenhang von unserem Handeln, der Degradierung unserer Ökosysteme und dem akuten Verlust von Artenvielfalt ist offensichtlich. Doch welche Rolle spielen Städte in diesem globalen Zusammenhang? Welche Wirkungen gehen von ihnen aus, wem bieten sie Lebensraum – und welche Möglichkeiten haben wir, von den Städten aus zu agieren und positive Entwicklungen zu ermöglichen? Fragen, die sich auch lala.ruhr immer wieder stellt, zuletzt im Kontext einer Werkstatt während des Festivals der Landschaft der Metropole Ruhr.
Die Begrifflichkeiten
Urbane Biodiversität bezieht sich als Begriff auf die biologische Vielfalt der Städte selbst. Unter regionalem Biodiversitätseinfluss versteht man den Einfluss menschlichen Lebens in der Stadt auf das Umland. Mit globalem Biodiversitätseinfluss bezeichnet man unseren Einfluss auf die weit entfernten Länder und ihre Ökosysteme – der von unserem globalen Konsumverhalten gezeichnet wird.
Biodiversität in der Planung
Generell lässt sich festhalten, dass „Natur in der Stadt“ in der Forschung ein noch recht junges Phänomen ist, dass erst seit den 1970ern mit dem Aufkommen der Disziplin Stadtökologie wissenschaftlich erforscht wird. Während Natur- und Artenschutz eine lange Tradition haben, kam Tier und Pflanze in der Stadt nur wenig Aufmerksamkeit zu. Ein gewichtiger Grund hierfür wird in der lange vorherrschenden Trennung zwischen dem Raum des Menschen und der Natur gesehen, die sich in Begriffen wie Naturlandschaft und Kulturlandschaft widerspiegelt. Inzwischen verknüpfen planerische Konzepte Räume und Funktionen – Parkflächen werden zb nicht mehr nur als Ort der Erholung definiert, sondern auch mit Blick auf die auf ihnen zu findenden Tier- und Pflanzenarten – auch für lala.ruhr beginnt Natur bereits auf der Fensterbank.
Biodiversität in der Metropole Ruhr
Bereits seit 2012 existiert in der Metropole Ruhr das Netzwerk Urbane Biodiversität, das wichtige Partner:innen verbindet, die zum Thema Biodiversität arbeiten und eine Strategie für die Metropole Ruhr vorantreiben. Erst vor wenigen Wochen sind dazu Positionspapiere veröffentlicht worden, in denen neun Themen im Fokus stehen: Arten- und Biotopschutz, Industrienatur, Urbane Landwirtschaft, Urbane Waldnutzung, Freiflächen- und Biotopverbund, Klimawandel und Klimaanpassung, Stadtgrün und soziale Verantwortung, Urbanes Grün und Gesundheitsvorsorge sowie Umweltbildung und Umweltbildungszentren.
Konkret vor Ort werden durch das Netzwerk Urbane Biodiversität zum Beispiel die Arten im Landschaftspark Duisburg beobachtet – eine außerordentliche Vielfalt mit über 700 Pflanzenarten und Tieren. Exemplarisch hierfür stehen hier alleine 35 unterschiedliche Libellenarten auf dem Gelände des ehemaligen Industriestandortes.
Auch im Handlungsprogramm der Emschergenossenschaft zur Entwicklung einer klimaresilienten Region durch blau-grüne Infrastrukturen spielt Biodiversität eine wichtige Rolle. Die nötigen Lösungen zur Klimaanpassung eröffnen auch einen Handlungsspielraum. So ist beispielsweise die Art der Ausführung eines Gründaches dafür verantwortlich, ob auch Insekten und Vögel dort einen ergänzenden Lebensraum finden.
Zudem engagiert sich der NABU NRW in vielen Projekten. Thorsten Wiegers betonte im Rahmen der Festivalwerkstatt, dass Biodiversität ein Indikator für lebenswerte Städte sein kann – und zwar nicht nur auf der sachlich notwendigen Ebene, sondern auch emotional mit Begeisterung. Laut einer Studie des Bundesamtes für Naturschutz stimmten 89 % der Menschen in Deutschland der Aussage zu, dass „die biologische Vielfalt in der Natur ihr Wohlbefinden und die Lebensqualität fördert.” Wichtig sei, dass gerade in der Stadt die Menschen mit der Natur und der Biodiversität in Verbindung treten und diese als selbstverständlichen Teil Ihres Lebensraumes wahrnehmen.
Ein weiteres spannendes Projekt zum Thema Urbane Biodiversität findet sich in Dortmund: Naturfelder Dortmund e.V., eingebettet in das EU-Forschungsprojekt „productive Green Infrastructure for post-industrial urban regeneration“ (proGIreg), bei dem die grüne Infrastruktur in ehemals industriell geprägten Bereichen gestärkt werden soll. Der Verein will dazu in Dortmund mit der Kommune und den Bürgern Flächen als Blühwiesen mit hoher Biodiversität aufwerten. Die ersten Flächen wurden bereits im Frühjahr 2021 eingesät.
Dekade der Wiederherstellung unserer Ökosysteme
Der Verlust der Biodiversität ist mit dem Klimawandel eine der großen benannten Krisen unserer Zeit. Die UN hat vor diesem Hintergrund die Dekade der Wiederherstellung der Ökosysteme ausgerufen. Unsere Städte spielen dabei eine große Rolle, denn sie entwickeln sich mehr und mehr von der Idee des mittelalterlichen Bollwerkes hin zu einem echten Lebensraum für Ihre Bewohner:innen. Auch Tiere sehen hier Ihre Chance und wandern in die Städte. Spannend im globalen Kontext: Die Arbeit des ICLEI – Local Governments for Sustainability. Auf der Website der Organisation findet sich ein Überblick der Aktivitäten zur Biodiversität im europäischen Raum. Über die Plattform findet noch dazu ein reger internationaler Austausch statt.
Fazit der Werkstatt
Die Metropole Ruhr kann aus ihrer Transformation heraus auch weitere Qualitäten entwickelt, die sich bereits heute in vielen Orten manifestieren, die ehemals durch die Schwerindustrie geprägt waren. Dies wird aber nicht die Lösung für eine globale Krise sein. Es besteht weiterhin ein großer Handlungsbedarf, die urbane Biodiversität auch als eine Grundlage für eine lebenswerte und klimaangepasste Stadt zu nutzen, und dabei auf die globale Situation positiv einzuwirken – direkt durch die Projekte, indirekt durch das entstehende Bewusstsein. Dabei bietet die fragmentierte Struktur der Metropole Ruhr und die aktuellen Aktivitäten zur Klimaanpassung einen potenten Handlungsrahmen, der auf der erfolgreichen bisherigen Transformation aufbauen kann: Die Metropole Ruhr als funktionierendes Ökosystem zu verstehen und auch als solche zu gestalten.
Text: Sebastian Schlecht
Foto: Bille Helbig

Ein Fuchs mitten im Bahnhof: auch, wenn es uns nicht immer unmittelbar bewusst ist, bieten unsere Städte Tieren und Pflanzen Lebensraum. Auch an Orten, an denen wir es nicht vermuten.
Werkstattbericht: Grüne Wege, grüne Räume – neue Infrastrukturen für lebenswerte Städte
werkstattbericht:
grüne wege, grüne räume –
neue infrastrukturen für lebenswerte
städte
Wir brauchen weniger Parkplätze und mehr Radverkehr in unseren Städten – darin sind sich viele Stadtbewohner:innen, Initiativen und Planer:innen einig. Sollen hierfür allerdings Parkplätze verschwinden, münden sämtliche Planungsprojekte in schöner Regelmäßigkeit in erbitterten Debatten. Die Leitfrage der Festival-Werkstatt mit Robin Römer (cityscaper) und Jan van den Hurk (Radentscheid Aachen) lautete dementsprechend: Wie bringen wir fahrradfreundliche Infrastruktur auf die Straße und kommunizieren die Neuaufteilung und Aufwertung von Straßenraum?
Vor allem durch eine Kommunikation, die den Mehrwert der Umgestaltung für alle begreifbar macht – und dafür braucht es gute Argumente. Den Teilnehmenden wurde für Kleingruppen-Diskussionen in digitalen Break Out-Rooms jeweils eine Rolle zugewiesen. Spannend war hierbei, mitzuerleben, wie teilnehmende Verwaltungsmitarbeitende losgelöst von ihrer beruflichen Position in der Rolle als Bürger:in diskutieren und Bürger:innen die Sicht der Politik vertreten. Die Ergebnisse wurden in einem digitalen Whiteboard zusammengetragen, auf dem Argumente und Gegenargumente schnell ein buntes Zettel-Mosaik aus Rede und Gegenrede bildeten. Hier ein paar Auszüge der Diskussion:
- Es fährt ja sowieso niemand Fahrrad!
Wo kein Angebot, da auch keine Nutzer:innen.
Bevor eine Brücke gebaut wird, zählt auch keiner, wie viele Menschen durch den Fluss schwimmen. - Bäume sind sehr kostenintensiv, brauchen Wasser, Pflege, verursachen Laub und Pollen.
Stadtklima und Umweltschutz dürfen Geld kosten.
Klimawandel-Adaptation durch Begrünung und weniger asphaltierte Flächen bietet Schutz vor Starkregen und lindert Hitzewellen. - Es fahren doch ohnehin alle Auto!
Mehr Straßen führen auch zu mehr Autoverkehr, mehr Parkplätze zu mehr Autos.
Der aktuelle Fokus auf Autos ist ungerecht, weil Menschen benachteiligt werden, die kein Auto haben/es sich nicht leisten können.
Autoinfrastruktur ist teurer als Radinfrastruktur (weniger versiegelte Flächen, weniger Instandhaltungskosten), deshalb Paradigmenwechsel.
In einem zweiten Durchgang wurden anhand eines konkreten Falls verschiedene Querschnittsvarianten einer Straße diskutiert, einmal auch unter Einbezug von 3D-Visualisierungen. Im Rollenspiel zeigte sich, dass sowohl in der öffentlichen als auch der politischen Wahrnehmung in der Regel die Variante bevorzugt wird, die den meisten Parkraum bietet. Aber auch, dass durch die zusätzliche 3D-Visualisierung einer Allee der Mehrwert einer grünen Straße überhaupt erst verstanden und folglich nicht mehr anhand der bloßen Fakten geurteilt wird, beispielsweise in Bezug auf die Anzahl von Parkplätzen und Bäumen.
Der Tenor des Workshops: Durch klare und prägnante Kommunikation, die einen lebenswerten Raum für alle verständlich und begreifbar macht, können Widerstände abgebaut werden. Der Fokus sollte, auch durch unterstützende Visualisierungen, auf die positiven Seiten der Veränderung gelenkt werden – nicht auf bloße Zahlen, die den Menschen suggerieren, Ihnen würde „etwas weggenommen“.
Text: Sonja Broy
Visualisierung: cityscaper

Durch 3D-Visualisierungen wird der Mehrwert einer grünen Straße in der Regel überhaupt erst verstanden.
Werkstattbericht: Das SÖZ als Labor für eine grüne (Stadt-)Landschaft
Werkstattbericht: das söz
als labor für eine grüne
(stadt-)landschaft
An der Schnittstelle zwischen der Frage nach sozialer Gerechtigkeit und einer Reaktion auf die Klimakrise entstand die Idee eines sozial-ökologischen Zentrums (SÖZ) für Dortmund. Mila Ellee und Florian Heinkel haben in der von ihnen geleiteten Werkstatt während des Festivals der Landschaft aus den Gründungsumständen der noch jungen Initiative berichtet: Das SÖZ entstand als Idee zu den Kommunalwahlen im Herbst 2020, aus dem Zusammenschluss verschiedener Initiativen in Dortmund, z.B. der Hafeninitiative, der Fridays-for-Future-Bewegung Dortmund und dem Kollektiv „Dortmund von Unten“. Sie fußt auf Forderungen nach einem „Unabhängigen Zentrum Dortmund”.
Tatsächlich wurde im Rat der Stadt Dortmund bereits unabhängig von den Aktivitäten der Initiativen nach einer Vorlage von CDU und Grünen beschlossen, ein SÖZ in Dortmund mit Raumangeboten zu unterstützen. Das SÖZ soll die drängenden ökologischen und sozialen Fragen unserer Zeit thematisieren, Raum zum Diskurs bereitstellen, aber auch Gelegenheit bieten, mit kleinteiligen Experimenten die Zukunft der Stadt und des umgebenden Quartiers aktiv und tatkräftig mitzugestalten.
Leider konnte bisher keine passender Ort gefunden werden. Es stehen einige Anforderungen bereits fest, so besteht etwa der große Wunsch nach der Möglichkeit, unkommerzielle Veranstaltungen auszurichten; außerdem sollen Begegnungsmöglichkeiten geschaffen werden, um den Aktiven eine Basis für ihre gemeinwohlorientierte Arbeit zu ermöglichen.
Die zweite Hälfte des Workshops stand dann ganz im Zeichen der Entwicklung von Nutzungsideen und -anforderungen. Mittels eines Miro-Boards wurden gemeinsam Raumnutzungen für die bisher noch fiktive Immobilie und Ihre Umgebung gesammelt. Dabei wurde unter anderem der Wunsch nach Probe- und Arbeitsräumen formuliert, und der Bedarf nach unkommerziellen Floh- und Tauschmärkten. Allen erschien wichtig, dass das SÖZ eine Küche bekommt, in der gemeinsam gekocht werden kann. Besonderes Gewicht in der Diskussion kam dem Außenbereich zu. So soll das SÖZ als ökologisches Projekt unbedingt einen Gemeinschaftsgarten besitzen – auch, um besser mit den Menschen aus der Nachbarschaft durch Natur und Ernährungin in Kontakt zu kommen.
Momentan ist die Initiative noch in der Gründungsphase. Eine Kerngruppe aus ca. 20 Personen trifft sich regelmäßig (aktuell digital) und ist immer offen für Personen, die sich für die Entwicklung des SÖZ engagieren wollen. Das SÖZ sollte verkehrsgünstig mit dem ÖPNV in Dortmund zu erreichen sein – auch Raumideen und Vorschläge sind sehr willkommen!
Kontakt über soez-do@riseup.net / Instagram: soez.dortmund / Twitter: @soez_dortmund
Text: Jan Bunse/Mila Ellen
Foto: Initiativkreis SÖZ

An der Schnittstelle zwischen der Frage nach sozialer Gerechtigkeit und einer Reaktion auf die Klimakrise entstand die Idee eines sozial-ökologischen Zentrums für Dortmund.
Werkstattbericht: Wie möchten wir mit der Landschaft im Ruhrgebiet umgehen?
Werkstattbericht:
Wie möchten wir mit der
Landschaft im
Ruhrgebiet umgehen?
Die Landschaft im Ruhrgebiet ist heterogen. Sie ist geprägt durch Industriebrachen, Nebeneinander von Stadt und Land, kleine grüne Oasen im urbanen Raum. Genauso vielfältig wie die fünf Millionen menschlichen Einwohner:innen, die von der Landschaft profitieren. Eine wichtige Frage, mit der wir uns als lala.ruhr-Team auseinander setzen möchten, ist die Frage nach unserem Umgang mit dieser besonderen Landschaft im Ruhrgebiet. Beim Festival der Landschaft haben wir im Rahmen eines Werkstattgesprächs genau diese Frage mit Frank Bothmann vom Referat für Landschaftsentwicklung und Umwelt des Regionalverband Ruhr und Dr. Ilka Mecklenbrauck von der Fakultät Raumplanung der TU Dortmund diskutiert. Durch das Gespräch geführt hat der Raumplaner Jan Bunse von den Urbanisten.
Klar ist, dass es Vorgaben und Maßnahmen braucht, um die Landschaft vor Eingriffen zu schützen und ihren Wert zu erhalten. Im Moment werden Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen bei Eingriffen in die Natur vor allem mithilfe von konkreten Bilanzierungen und Ökokonten festgelegt. Je nach Eingriff müssen diese A+E-Maßnahmen eine bestimmte Qualität haben und werden mit Ökopunkten auf den Ökokonten von privaten und öffentlichen Flächeneigentümer:innen gut geschrieben. Dieser sehr rechnerische Umgang mit der Landschaft führt zum einen zu einer “normierten Landschaft” und zum anderen zu einem tatsächlichen Geschäft mit der Landschaft, das durch Bauherr:innen und Flächeneigentümer:innen bestimmt wird.
Auf der anderen Seite sehen wir uns einer Flächenknappheit ausgesetzt, die sich nicht nur innerstädtisch bemerkbar macht, sondern auch im ländlichen Raum des Ruhrgebiets – hoch emotionalisierte Debatten und ein immer höherer Druck auf die Freiräume sind oft die Folge. Insbesondere Landwirt:innen stehen häufig vor dem Problem des doppelten Flächenverlustes: Landwirtschaftliche Flächen sind von der Siedlungserweiterung betroffen und werden in diesem Zuge bebaut. Diese Bebauungen sind wiederum ausgleichspflichtig und für die notwendigen Ausgleichsmaßnahmen werden Ackerflächen genutzt. Da das ökologische Verbesserungspotenzial auf landwirtschaftlichen Flächen sehr groß ist, erhalten die Bauherr:innen für einen Ausgleich auf einer solcher Fläche sehr viele Ökopunkte auf ihrem Ökokonto.
“Das Feld schreit nach neuen Ideen.”
Auch im Gespräch und durch die Beiträge der Werkstattteilnehmenden ist vor dem Hintergrund des Status Quo im Umgang mit der Landschaft offensichtlich, dass Planende, Flächeneigentümer:innen und Bauherr:innen umdenken müssen und die Politik innovative Lösungswege ermöglichen muss. Frank Bothmann hat es dementsprechend auf den Punkt gebracht hat: “Das Feld schreit nach neuen Ideen.”
Wie genau diese Lösungswege und vor allem tiefgreifende Veränderungen im Umgang mit Landschaft realisiert werden können, ist derzeit noch offen. Denn dafür sind Gesetzesänderungen auf Bundesebene nötig, denen in der Regel ein langer Prozess vorausgeht. Nichtsdestrotrotz gibt es bereits Ideen und Vorschläge von Planenden, Forscher:innen und auch aus der Praxis.
Dazu gehört beispielsweie die Integration von Landschaft in den urbanen Raum, die Weiterentwicklung der ökonomischen Bewertung von Natur und der Fokussierung der Ökosystemleistungen, temporäre und flexible Strukturen für Freiräume, die produktive Bewirtschaftung von Landschaft oder das Verstänsnis von Landschaft als Kultur- und Integrationsraum. So attraktiv solche Ideen erst einmal klingen, so wichtig ist es in der Diskussion, auch die Fallstricke zu beachten. Ilka Mecklenbrauck plädiert in diesem Kontext dafür, potenzielle Nutzungskonflikte von vornherein in der Planung mitzudenken und der Landschaft mit einer angestrebten Multifunktionalität von Flächen nicht zu viel zuzumuten. Ein – in unseren Augen – besonders interessantes Konzept ist die Demokratisierung der Landschaft. Denn anders als bei Siedlungen geht der Landschaftsplanung derzeit kein demokratischer Prozess voraus und der Raum außerhalb der Siedlungsgebiete wird sehr funktional betrachtet. Unter anderem dieses Vorgehen kann zu Frust bei Aktiven führen, die sich nicht wahr- und ernstgenommen fühlen und aus deren Sicht Klima- und Naturschutz stark vernachlässigt wird. Weitere Lösungsansätze ist eine verstärke baukulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen, aber auch die Optimierung der Lehre an Hochschulen und Universitäten und das integrative Zusammendenken von Architektur, Ökologie und Klima.
Um diese Ideen und neue Wege nach vorne zu bringen, braucht es in den nächsten Jahren vor allem Lobbyarbeit, um den Umgang mit der Landschaft im politischen Diskurs zu verankern. Anknüpfungspunkte dafür sind natürlich die Diskussion um Klima- und Naturschutz, aber auch urbane Transformation und Stadt-Land-Beziehungen. Zudem können, laut Ilka Mecklenbrauck, vor der Verwirklichung der großen Vision auch schon kleine Schritte gegangen werden und temporäre Ansätze Erfolge zeigen. Eine wichtiger Aspekt ist auch die gesellschaftliche Kommunikation und Überzeugungsarbeit über Bilder statt über Verbote, um die emotionalisierte Debatte zu verhindern und alte Bilder aufzubrechen.
Text: Annette Bathen
Foto: Ravi Sejk

Die Landschaft im Ruhrgebiet ist heterogen. Wie wollen wir mit ihr umgehen?
Werkstattbericht: Watt denn nu? Gesucht: ein neues Narrativ für´s Ruhrgebiet
werkstattbericht:
watt denn nu?
gesucht: ein neues narrativ
für´s ruhrgebiet
Zugegeben, es war ein frecher Versuch: In zwei Tagen wollte lala.ruhr eine Übersicht über die Narrative des Ruhrgebiets kollaborativ erarbeiten. Die Zwischenbilanz: 60 Menschen, die teilweise simultan auf einer digitalen Pinnwand zusammenarbeiten, können ein strukturiertes Ergebnis erreichen. Im Rahmen des 1. Festivals der Landschaft entstand so eine Landkarte der Ruhrgebiets-Narrative (Das Board ist über Mural hier einsehbar). Abgebildet sind Dinge, die man sich aktuell über das Ruhrgebiet erzählt und – wichtiger – Vorschläge dazu, was einem denn in Zukunft als erstes in den Sinn kommen soll, wenn man ans Ruhrgebiet denkt.
Sehr unterschiedliche Menschen haben an dieser Karte mitgearbeitet: Wissenschaftlerinnen & Aktivisten, Marketeers & Leute aus der Verwaltung, Ruhris & Weltenbummlerinnen. Sie alle haben sich um eine einfache Sprache bemüht, denn das zeichnet Narrative aus: sie sind nicht kompliziert, sondern einfach. Niicht schwerfällig, sondern leicht. Nur so wird es möglich, dass sich Narrative durch weitererzählen schnell verbreiten und irgendwann jede das Gefühl hat, sie habe das schon tausendmal gehört. Auch wenn Narrative recht profan daher kommen, ihre Macht darf nicht unterschätzt werden. Diese Mini-Geschichten stiften Sinn, tragen politische Botschaften, schaffen Identität oder vermitteln moralische Werte. Und so kommt es, dass der Begriff Narrativ in aller Munde ist. Ob Kommunen, Regionen oder Länder, ob Politik, Wissenschaft oder Marketing, alle fordern vehement „neue Narrative”. Meist steckt dahinter der Wunsch, alte unliebsame Narrative über sich selbst loszuwerden und neue Narrative zu prägen.
Aber kann das überhaupt gelingen? Können wir wirklich von oben (oder unten) steuern, was eine große Zahl von Menschen intuitiv als wahr erachtet? Können wir am Reißbrett eine Geschichte erfinden, die so eingängig ist, dass sie sich von selbst verbreitet und in den Köpfen festsetzt?
Auch die Teilnehmenden des Festivals diskutierten (schriftlich und mündlich) über diese Meta-Ebene der Narrativ-Suche. Drei kontroverse Positionen aus der Debatte möchte ich an dieser Stelle ohne Wertung nennen:
- Ein Narrativ sei mehr als ein flotter Werbeslogan, bzw. lasse sich nicht durch noch so aufwändige Kampagnen erzwingen.
- Ein Narrativ müsse professionell kommuniziert werden und einen soliden gedanklichen Überbau haben.
- Die Diskussion über Narrative sei überflüssig und ginge an den eigentlichen Problemen des Ruhrgebiets vorbei.
Die Suche nach neuen (grünen) Narrativen für das Ruhrgebiet ist für lala.ruhr selbstredend noch nicht abgeschlossen, sie beginnt erst! Im Sinne des Open-Source-Gedankens ist jede:r eingeladen, die Landkarte der Narrative für sich zu nutzen und darauf aufzubauen. Wir freuen uns jederzeit über einen Gedankenaustausch. Schreibt uns an narrativ@lala.ruhr
Text: Matthias Krentzek, mxr storytelling, Team lala.ruhr

Wie erklärst du einem Bayern, wie sich Ruhrgebiet anfühlt? An was soll eine Berlinerin denken, wenn Sie Metropole Ruhr hört?
Werkstattbericht: Bolzen für den guten Zweck – Umweltschutz kombiniert mit Fußball
Werkstattbericht:
Bolzen für den guten Zweck.
Umweltschutz kombiniert mit
Fußball
Eine Werkstatt zu Fußball auf einem Festival der Landschaft? Wo, wenn nicht im Ruhrgebiet! Eingeladen hatte Patrick Schulz von der Initiative „bochumbolzt“, die die enorme, integrative und kommunikative Kraft des Fußballs mit der Wirksamkeit von aktivem und lokalem Umweltschutz verbindet. Diese Kombination sieht in der Praxis derzeit so aus, dass, gemeinsam mit dem Fanprojekt Bochum, Fußballturniere oder Sportfeste für Schüler:innen auf einem nahegelegenen Bolzplatz oder direkt auf dem Schulhof organisiert werden. In den Spielpausen motiviert bochumbolzt die Bolzplatzheld:innen, die Spielfläche und die unmittelbare Umgebung vom achtlos weggeworfenen Müll zu befreien.
Und so stand auch die Session ganz im Zeichen des Fußballs: Zu Beginn der ersten Halbzeit wurden Gefühle und Erinnerungen zum Sozialraum Bolzplatz hervorgeholt und mögliche multifunktionale Potentiale besprochen, wie eine Einbindung von essbaren Elementen rund um den Platz. Zwischenergebnis: Der Bolzplatz im Quartier vermittelt und stärkt das Gefühl für Gemeinwesen – der Bolzplatz als räumlicher Anker, mit dem Ziel ein müllfreies und essbares Quartier zu schaffen.
“Aktuell gründen wir einen Dachverein. In naher Zukunft möchten wir Menschen aus den Ruhrgebietsstädten anregen und begeistern, die anfänglichen Methoden und Inhalte von bochumbolzt mit unserer Unterstützung auch in ihrer Stadt zu entfalten und gemeinsam weiterzuentwickeln.”
In der zweiten Halbzeit lag der Fokus auf Umweltschutz und der globalen Müllkrise, ausgehend von der Frage, warum wir auch lokal Müll sammeln sollten. Hier ging es um einen Gedankenaustausch zu einem sauberen Quartier und frühe Bewusstseinsbildung für die Produktion von Müll. Im letzten Drittel des Spiels wurden die Teilnehmenden eingeladen, den Rechner zu verlassen und kurz an die frische Luft zu gehen, um zu schauen, ob auch vor unserer eigenen Haustür Müll zu finden ist – und diesen ggf. direkt aufzusammeln.
Das Fazit der Teilnehmenden: „Sehr spannend, wie ihr Umweltthemen mit Fußball kombiniert!“ Über Fußball als die verbindende Sprache des Ruhrgebiets wurde in dieser Werkstatt demnach ein niedrigschwelliger Zugang zu regionalem Umweltschutz gefunden und ein erster, wertvoller Impuls für die Fokussierung auf den Sozialraum Bolzplatz erarbeitet.
Text: Patrick Schulz/Jan Bunse
Foto: Lukas Hagen

lala.ruhr ist das Labor für die Landschaft der Metropole Ruhr!
Das Festival der Landschaft 2021
Das Festival der Landschaft 2021
im Februar 2021 fand unser Festival der Landschaft statt. Von dem großen Interesse, den inspirierenden Beiträgen und den vielen positiven Rückmeldungen sind wir ganz ergriffen.
Wir haben uns auf den Weg gemacht, mit der Idee “Labor der Landschaft” Geschichten für die Zukunft zu entwickeln und unsere Region damit zu gestalten. Alle Akteur:innen und Teilnehmer:innen haben dazu viel beigetragen. Wir haben viel Engagement und Begeisterung, Ideen und Motivation für das Thema geteilt. Vielen Dank! Es hat uns sehr viel Spaß gemacht!
am 26. und 27. Februar trafen sich ca. 160 Stadtmacher:innen, Landschaftsgestalter:innen, Planer:innen, Aktivist:innen und Wissenschaftler:innen online, um gemeinsame Visionen für Natur, Landschaft und Grüne Infrastruktur in unserer Region zu diskutieren und zu gestalten.
Impulsvorträge, Workshops und ein buntes Rahmenprogramm mit Musik, Lesungen, Yoga und mehr ließen auf verschiedenen Online-Bühnen Festivalatmosphäre aufkommen. Das Festival war ein innovativer Baustein im Rahmen der Offensive Grüne Infrastrukutr des Regionalverband Ruhrgebiet.
Einen Rückblick auf das Festival und die Dokumentation der Werkstätten findest du auf unserem Blog.

lala.ruhr ist das Labor für die Landschaft der Metropole Ruhr!
Anmelden für das Festival für die Landschaft der Metropole Ruhr!
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für das festival für die landschaft
der metropole ruhr!
Eigentlich wollten wir Euch vor Ort, direkt in der Landschaft, treffen – zum Arbeiten und Denken und Visionieren, zu Exkursionen und zum Netzwerken beim Abschlussbier. Aus gutem Grund bleiben wir bekanntlich aber derzeit alle Zuhause.
Aber kein Grund, den Plan aufzugeben: Vorhang auf für das erste digitale Labor der Landschaft der Metropole Ruhr! Am 26. und 27. Februar treffen sich Stadtmacher:innen, Landschaftsgestalter:innen, Planer:innen, Aktivist:innen und Wissenschaftler:innen online, um gemeinsame Visionen für Natur, Landschaft und Grüne Infrastruktur in unserer Region zu diskutieren und zu gestalten.
Den Kern des Festivals bilden die insgesamt 13 interaktiven Werkstätten, verteilt auf beide Festivaltage. Impulsvorträge, ein Live-Podcast und ein buntes Rahmenprogramm mit Musik, Lesungen, Yoga und mehr lassen auf verschiedenen Online-Bühnen Festivalatmosphäre aufkommen.
Zur Eröffnung am Freitag, 26.2. von 10.00-11.00 Uhr gibt das lala.ruhr-Team Einblicke in die Ideen hinter dem Festival und dem Projekt. Außerdem gibt es Impulse und Gespräche mit folgenden Gästen Anja Bierwirth, Leiterin des Forschungsbereichs Stadtwandel am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie,Dr. Jan-Hendrik Kamlage, Forschungsbereich Partizipationskultur der Ruhr-Universität Bochum, Svenja Noltemeyer, Dortmunder Büro für Möglichkeitsräume und Nina Frense, Beigeordnete Umwelt und Grüne Infrastruktur des Regionalverbandes Ruhr.
Auch das Netzwerken und der informelle Austausch kommen bei lala.ruhr nicht zu kurz, denn wir eröffnen eine digitale lala.lounge. Macht es euch einfach mit Kaffee, Tee, Bier oder Wein auf der Couch gemütlich und wählt euch zu den angegebenen Zeiten ein!
Die Teilnahme am Festival ist kostenlos. Die Veranstaltung wird in deutscher Sprache durchgeführt, sofern es nicht anders angegeben ist. Die Plätze sind je nach Programmpunkt eventuell begrenzt.
Die entsprechenden Infos und Links zu den Werkstätten und Programmpunkten erhaltet ihr nach eurer Anmeldung rechtzeitig per Mail.

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