Takeover*: Zirkuläres Bauen mit "Abfällen"
Takeover*:
Zirkuläres Bauen
mit "Abfällen"
Wir nähern uns dem Abschluss unseres Reise durch den “Müllkomplex”. Unser letztes Thema: Reboot Architecture – zirkuläres Bauen für eine nachhaltige Zukunft unserer Städte. Denn der Großteil der Umweltkosten eines Gebäudes entfällt auf den Materialverbrauch. Der Bausektor produziert dabei enorm viel unnötig anfallenden Müll. Wäre es da nicht sinnvoll, Materialien zu verwenden, die zwar so robust sind, wie herkömmliche Materialien, die man aber mehrfach verwenden kann? Und lassen sich vielleicht sogar aus “Abfällen” neue Gebäude errichten? Ja – Grundlage hierfür bildet die zirkuläre Kreislaufwirtschaft, die es ermöglicht, den wachsenden Ressourcenbedarf dauerhaft und nachhaltig zu stillen. Denn: Abfall gehört nicht in jedem Fall auf die Mülldeponie. Beispielsweise lassen sich aus alten Holzplatten oder Metallen neue Gebäude gestalten und der Lehm als vielseitigen “Kleber” verwenden. Solche Projekte setzt das “Natural Building Lab” (NBL) um, eine universitäre Einrichtung der Technischen Universität Berlin, Das NBL wurde 2017 als Fachgebiet für “Konstruktives Entwerfen und klimagerechte Architektur” unter der Leitung von Prof. Eike Roswag-Klinge gegründet.
Das Natural Building Lab agiert als Teil eines transdisziplinären Netzwerks, das Projekte durchführt, die in der Lehre, Forschung und Praxis Anwendung finden. Besonders liegt ihnen die Arbeit mit Studierenden am Herzen. Das Team besteht hauptsächlich aus Architekt:innen, wird aber bei Kooperationen durch Bauingenieur:innen, Grafikbüros, Landschaftsarchitekt:innen und Kommunikationsdesigner:innen erweitert. Bei ihren Projekten sind Naturbaustoffe, Lehm und der urbane Holzbau klar im Fokus. All diese Materialien werden größtenteils von Abrissgebäuden oder Räumen bezogen, denn nichts darf unnötig weggeschmissen werden.
ZU/FLUCHT Freiluftausstellung:
Das Projekt ZU/FLUCHT steht exemplarisch für die die Arbeit des NBL und wurde als Masterentwurf mit 20 Studierenden der TU Berlin durchgeführt. In einer Kooperation mit der Stiftung Exilmuseum Berlin wurden alte Tempohome-Container (Wohnraum für Zufluchtssuchende) umgebaut und -gestaltet, zu einem außergewöhnlichen Entree für das sich in der Entstehung befindliche Exilmuseum. Der frühere Wohnraum wurde durch die vorhandenen Materialien Metalle (besonders Blech), Wolle und verklebte Materialien modifiziert. Das Projekt soll dazu anregen, besonders die Themen der Materialverschwendung und Wiederverwendung im Bausektor diskutieren. Ziel war es, aufzuzeigen, was mit alten Containern passieren kann, die oftmals hergestellt und nach ihrer primären Nutzung nicht weiterverwendet werden. Von Juni – Oktober 2021 konnte die temporäre Freiluftausstellung am Anhalter Bahnhof Berlin begutachtet werden. Die Planung, Konstruktion und Durchführung umfasste 18 Monate und wurde anhand von zwei Semestern an der TU Berlin durchgeführt.
Gerade in Zeiten der Nachhaltigkeit stoßen solche Projekte auf großes öffentliches Interesse, auch beim Land Berlin. Zirkuläres Bauen liege im Trend und “ich habe das Gefühl, das wird ein bisschen zum neuen Nachhaltig”, sagt Matthew Crabbe, Doktorand am NBL. Die Definition von zirkulärem Bauen laute dabei: Die kreislaufkorrekte Nutzung von Baustoffen und Materialien sowie die Bereitstellung eines langen Lebenszyklus’ derer fördert die Kaskadennutzung. Dabei werden nachwachsende, erneuerbare oder wiederverwendbare Baustoffe benutzt, welche klima- und umweltschonend sind. Die Reduzierung von Abfällen sowie Emissionen stehen klar im Fokus.
Das zirkuläre Bauen wird durch den Ansatz “Cradle to Cradle” (C2C) aus den 1990er-Jahren von Michael Braungart (deutscher Chemiker) und McDonough (US-amerikanischer Architekt) gestützt. Dabei ist von einer durchgängigen und konsequenten Kreislaufwirtschaft die Rede, bei der alle Ressourcen in einem Kreislauf gehalten werden. Die drei Prinzipien von Cradle to Cradle (C2C) sind: Abfall = Nährstoff, oder auch: alles wird als Ressource für etwas anderes konzipiert; Energie aus erneuerbaren Quellen nutzen; Diversität fördern.
Dabei soll die Region Rhein-Ruhr in den nächsten Jahren zu einem weltweiten Zentrum für die Zirkuläre Wertschöpfung („Circular Valley“) werden. Zirkuläre Bauten (Gebäude aus Materialien und Produkten, die nach ihrerer Wiederverwendbarkeit ausgewählt werden) sind in NRW noch nicht weit verbreitet, mit Ausnahme des Kreislaufhauses auf Zollverein in Essen. Das neue zirkuläre Verwaltungsgebäude der RAG-Stiftung und RAG AG liegt auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen. Das Gebäude wurde durch kadawittfeldarchitektur geplant und umgesetzt. Die Materialien wurden nach ihren gesundheitlichen und ökologischen Aspekten sowie der Kreislauffähigkeit ausgewählt. Nach Ende der Lebensdauer des Gebäude soll es als Rohstoffquelle dienen. Auch die Gründächer, die Urban Gardening-Flächen sowie die Tierhabitate sollen für immer beständig bleiben. Außerdem entsteht derzeit in Düsseldorf “The Cradle”, ein siebengeschossiges Holzhybrid-Bürogebäude im Düsseldorfer Medienhafen. Dabei wurde der Carbon-Foodprint schon beim Bau durch den nachwachsenden Rohstoff Holz reduziert. Auch der ökonomische Mehrwert ist durch die Schaffung von Büros gegeben.
Hiermit bedanken wir uns bei der Theaterallianz Mühlheim an der Ruhr für das Takeover ihres Instagram – Kanals! Es hat uns sehr viel Spaß gemacht und wir hoffen, wir konnten den Leser:innen neue Information rund um Abfall und Landschaft nahebringen. Also denkt immer dann reuse, reduse, recycle! Nicht alles was ihr nicht mehr braucht, ist für die Tonne! 😉
Textautorin: Stephanie Stiem
*lala.ruhr übernimmt mit dem takeover im Januar 2022 drei Wochen lang den Instagram-Account von vier.ruhr, der Allianz der Mülheimer Theater. Unser Thema: der Müllkomplex. Wir nehmen euch mit mit auf eine digitale Reise durch die Region und darüber hinaus – an Orte, an denen etwas aus Müll entsteht oder an denen mit dem gearbeitet wird, was wir umgangssprachlich so bezeichnen. Wir laden dazu ein, auch die Stadtlandschaft der Metropole Ruhr zirkulär zu denken und alle Materialien als ein Teil von Kreisläufen zu entdecken. Das Unternehmen HeimatERBE stellen wir vor, da es sich unter anderem um die Umwandlung von Flächen kümmert, die zuvor in der öffentlichen Wahrnehmung als “nutzlos” angesehen wurden und es Wirtschaftsunternehmen ermöglicht, umweltneutral zu agieren.
vier.ruhr ist die Theaterallianz von Theater an der Ruhr, Mülheimer Theatertage „Stücke“ und Ringlokschuppen Ruhr. Gefördert im Rahmen von NEUE WEGE durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit dem NRWKULTURsekretariat.

Auf-, bzw. Umbau für die ZU/FLUCHT Freiluftausstellung: Im Rahmen des Projektes erhielten Container, die ursprünglich als Wohnraum für geflüchtete Menschen genutzt wurden, eine neue Bestimmung.
©Natural Building Lab, Berlin
Takeover* vier.ruhr: das Konzept des Urban Metabolism
takeover*:
Müll in der Wissenschaft -
das Konzept des Urban Metabolism
Jeder Mensch auf der Welt produziert Müll: die Bananenschale als Biomüll, der Handyakku als Elektroschrott, der Karton als Altpapier oder die Plastiktüte als Recyclingprodukt. Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie wurde generell viel mehr Müll/Abfall produziert, der noch dazu häufig nur verbrannt werden konnte. Der Grund hierfür: potenziell daran haftende Corona-Viren.
Auch in der Wissenschaft laufen viele Forschungsreihen, die sich mit dem Vermeiden von Müll/Abfall und dem Wiederverwenden von Materialien beschäftigen. Unsere Städte besitzen folglich einen “Urban Metabolism”, auf deutsch “städtischer Stoffwechsel”, der die Umwandlung von Materialien und Energie in einer Stadt bezeichnet.[1]
Geprägt wurde der Begriff von dem deutschen Philosophen und Ökonomen Karl Marx, und zwar bereits im Jahr 1844 in Bezug auf die Umweltsoziologie. Marx machte deutlich, dass wir Menschen von der Natur abhängig sind und sie mit unseren wirtschaftlichen Prozessen schädigen [2]. Das grundsätzliche Konzept des urbanen Metabolismus geht dann den US-amerikanischen Ingenieur Abel Wolman aus dem Jahr 1965 zurück, der zum ersten Mal die Stadt als ein eigenes Ökosystem mit ihren Stoff- und Energieflüssen betrachtet hat [3].
Seit dem 19. Jahrhundert wurden Städte immer wichtiger, weil sie Motor des Wirtschaftswachstums waren und sind. Städte sind ein offenes System, das Energie, Brennstoffe, Rohstoffe, Wasser, Nahrungsmittel und Luft verbraucht. Nach Verwendung dieser Ressourcen entstehen Abfälle, Schadstoffe oder auch Abwässer, sofern sie nicht in Infrastrukturen gebunden werden. Je größer eine Stadt wird – egal ob mit der Erweiterung der Fläche oder der Zunahme von Bevölkerung – desto höher steigt der Bedarf an Ressourcen/Materialien. Durch unterschiedliche Faktoren muss jedoch jede Stadt als Individuum betrachtet werden. Um also den urbanen Metabolismus ermitteln zu können, werden die drei häufigsten Methoden verwendet: Stoffstromanalyse, Adaption des ökologischen Fußabdrucks und Ökobilanz (siehe Blogbeitrag zu HeimatERBE). Dabei geht es immer um die In- und Outputgrößen einer Stadt und das resultierende Ausmaß auf Menschheit und Umwelt.
Um die in Städten entstandenen Probleme zu bewältigen bedarf es Lösungen und realistischer Zielen: effizientere Nutzung lokaler Ressourcen, Verwendung von Recycling-Systemen inkl. Strategien für Abfallvermeidung und -management, Bereitstellung von sauberer Luft und erholungswirksamer Grünflächen, Verringerung der Treibhausgasemissionen und stadtplanerische (Klima-)Anpassungsstrategien. Ebenfalls sollen die riesigen Müllexporte ins Ausland beendet und lokale Recycling- und geschlossene Verbrennungsanlagen verwendet werden. Neue Produktdesigns helfen dabei,wiederverwendbare Materialien attraktiver zu machen.
Vielerorts werden bereits Projekte zum Thema “Müll” in Schulen angesetzt, um das Bewusstsein für “Müll” zu stärken. Egal ob das Aufsammeln von Müll oder die Erlernung von richtiger Mülltrennung, alles hat ein Wirken auf unsere Umwelt. Die dadurch aufgenommen Daten können der Wissenschaft zugutekommen. Durch eine flächendeckende Kartierung können Prozesse zur Müllvermeidung oder Recycling verbessert werden.
Für eine globale Übersicht der unterschiedlichen städtischen Stoffwechselprozesse bietet sich die Plattform “Metabolism of Cities” an. Schaut rein, entdeckt und reichert euch Wissen an. Ein weiterer Literatur-Tipp: Die Seite des Formats “Quarks und Co” zum Thema Müll.
Textautorin: Stephanie Stiehm
lala.ruhr übernimmt mit dem takeover im Januar 2022 drei Wochen lang den Instagram-Account von vier.ruhr, der Allianz der Mülheimer Theater. Unser Thema: der Müllkomplex. Wir nehmen euch mit mit auf eine digitale Reise durch die Region und darüber hinaus – an Orte, an denen etwas aus Müll entsteht oder an denen mit dem gearbeitet wird, was wir umgangssprachlich so bezeichnen. Wir laden dazu ein, auch die Stadtlandschaft der Metropole Ruhr zirkulär zu denken und alle Materialien als ein Teil von Kreisläufen zu entdecken. Das Unternehmen HeimatERBE stellen wir vor, da es sich unter anderem um die Umwandlung von Flächen kümmert, die zuvor in der öffentlichen Wahrnehmung als “nutzlos” angesehen wurden und es Wirtschaftsunternehmen ermöglicht, umweltneutral zu agieren.
vier.ruhr ist die Theaterallianz von Theater an der Ruhr, Mülheimer Theatertage „Stücke“ und Ringlokschuppen Ruhr. Gefördert im Rahmen von NEUE WEGE durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit dem NRWKULTURsekretariat.
Quellen:
[1] Oke, T. R.; Mills, G.; Christen, A.; Voogt, J. A. (2017): Urban climates. Cambridge. https://doi.org/10.1017/9781139016476
[2] Bleher, D.; Öko-Institut e.V. (2017): Ressourcenwirkung des urbanen Metabolismus Ergebnisse von AP 1.1 im Rahmen des UFOPLAN Vorhabens FKZ: 3715 75 122 0. Darmstadt.
[3] Sanches, T. L.; Santos Bento, N. V. (2020): Urban Metabolism: A Tool to Accelerate the Transition to a Circular Economy. In: Filho, W. L.; Azul, A. M.; Brandli, L.; Özuyar, P. G.; Wall, T. (Hg.): Sustainable Cities and Communities. 860-867. https://link.springer.com/referenceworkentry/10.1007%2F978-3-319-95717-3_117

Jeder Mensch auf der Welt produziert Müll: die Bananenschale als Biomüll, der Handyakku als Elektroschrott, der Karton als Altpapier oder die Plastiktüte als Recyclingprodukt. Der Müll ist Teil des “städtischen Stoffwechsels”.
© Broy
Takeover*: HeimatERBE - Artenschutzschmiede für das Ruhrgebiet
Takeover*: HeimatERBE -
Eine Artenschutzschmiede
für das Ruhrgebiet
Urlaubsreisen, exotische Nahrungsmittel und der Kauf von Dingen, die kurz danach in der Zimmerecke verstauben, gehören zu unserem alltäglichen Konsumverhalten. Das wirkt sich negativ auf unsere Umwelt aus: wichtige Ressourcen werden verbraucht, Lebensräume degradiert oder zerstört und das Artensterben nimmt zu. Wie kann also der so verursachte Schaden vermieden und kompensiert werden, um langfristig eine ökologische, umweltgerechte Lebensweise zu erreichen?
lala.ruhr kooperiert mit der Impact Factory, einer Start-up-Plattform für soziales Unternehmertum, und hat sich hierzu mit dem Essener Unternehmen HeimatERBE GmbH ausgetauscht.
Die HeimatERBE GmbH wurde gemeinsam mit dem Schwesterunternehmen greenzero.me 2020 von Dr. Dirk Gratzel gegründet, nachdem dieser es sich selbst zur Aufgabe gemacht hatte all die Umweltschäden, die er in seinem Leben verursacht hat, zu erfassen und auszugleichen. Dazu war er mit zahlreichen Wissenschaftler:innen im Austausch und hat schlussendlich als erster Mensch zusammen mit der TU Berlin und der TU Braunschweig seine vollständige Lebensökobilanz und die sich daraus ergebenden Schäden für die Umwelt ermittelt – das entspricht dem heutigen Tun der greenzero.me. Anschließend hat er mit weiteren Expert:innen u.a. aus den Themenfeldern Forstwissenschaften, Ökologie, Biologie und Naturschutz eine Strategie zur Kompensation der Umweltschäden entwickelt – damit beschäftigt sich nun die HeimatERBE GmbH. Mit Hilfe der beiden Schwesterunternehmen erhalten nun Wirtschaftsunternehmen im B2B-Modell die Möglichkeit, ihre Organisation, ihre Dienstleistung oder ihre Produkte umweltneutral zu stellen.
Mittlerweile umfasst HeimatERBE sieben Mitarbeiter:innen in den Bereichen Ökologie, Ökonomie und Technik. Die Stadt- und Landschaftsökologin Madlen Sprenger (M.Sc.) war bei lala.ruhr zu Gast und hat von der Idee des Unternehmensgrundsatzes von HeimatERBE berichtet. Im Interview mit unserer Praktikantin Stephanie Stiehm wurden die Kompensation von Umweltschäden und das HeimatERBE-Prinzip thematisiert:
Was macht ihr genau bei HeimatERBE? Was ist eure Mission?
Das Ziel von HeimatERBE ist es, negative Umweltauswirkungen zu kompensieren. Hierzu bringen wir aktuell alte Industrieflächen aus dem Ruhrgebiet wieder in einen möglichst guten, ökologischen Zustand, in dem sie dann (Sekundär-)Lebensraum für vielfältige Pflanzen- und Tierarten bieten. Natürliche wie kulturlandschaftliche Biotope sorgen so für den Aufbau neuer sowie die Erhaltung und Verbesserung vorhandener Ökosystemleistungen*. Die Schaffung von neuer Biodiversität sowie der Schutz von Klima und Mensch stehen dabei für HeimatERBE an erster Stelle. HeimatERBE schafft dadurch einen Mehrwert für die Natur und für die Gesellschaft. Diesen Mehrwert bieten sie Unternehmen zur Kompensation ihrer negativen Umweltauswirkungen aus beispielsweise Dienstleistungen oder Produkten an.
*„Als Ökosystemleistungen werden die Dienstleistungen der Natur für den Menschen bezeichnet, die er durch die Lebensräume und Lebewesen wie Tiere und Pflanzen bezieht. Die Ökosystemleistungen schaffen die Basis für grundlegende Bedürfnisse des Menschen, wie beispielsweise den Zugang zu Wasser und Nahrung. Funktionierende Ökosysteme hängen von einem Zusammenspiel von zahlreichen Organismen ab, wie Primärproduzenten (z. B. Pflanzen), Pflanzenfressern, Fleischfressern, Destruenten (Zersetzern), Bestäubern und Pathogenen. Als wesentlicher Grundstein der Ökosystemleistungen gilt daher die Biodiversität mit all ihren Ebenen“ [1].
Was ist das HeimatERBE-Prinzip? Aus welchen Komponenten besteht es?
Das HeimatERBE-Prinzip beschreibt den Prozess, der zur Erreichung einer Umweltneutralität führt. Zu Beginn jedes Projektes muss die Ökobilanz einer Person, einer Organisation, eines Produktes oder einer Dienstleistung berechnet werden. Diese Analyse ermittelt alle Umweltwirkungen von der Produktion bis zur Entsorgung inkl. der Herstellung von Gebrauchsmitteln. (Diese Bilanzierung ist in der DIN EN ISO 14040/44 standardisiert.) Danach werden die Ergebnisse monetarisiert – also in Umweltkosten nach dem Standard des Umweltbundesamtes umgerechnet. Die Umweltkosten sind ein reiner Geldbetrag, welchen wir von unserem Ökobilanzierer (z.B. greenzero.me) erhalten. Er beschreibt die tatsächlichen Umweltwirkungen. Daraus resultiert dann der Umweltwert, welcher einen Ausgleich zwischen den Umweltkosten schafft. Der Umweltwert repräsentiert den Geldbetrag, der für die Kompensation der schädlichen Umweltauswirkungen nötig ist. Was wir für die Herstellung von leistungs- und funktionsfähigen Ökosystemen finanziell aufwenden müssen – also die Herstellungskosten bis zur „Biotopreife“, entspricht dem Umweltwert.
Wie kann HeimatERBE dann damit arbeiten?
Die Ökobilanzierung und Monetarisierung zielen natürlich immer darauf ab, dass etwas zu Schaden kommt. Natürlich ist es wichtig, diesen Schaden zuerst im Prozess so weit es geht zu reduzieren. Nur für solche bereits optimierten Prozesse bietet HeimatERBE eine Kompensation an. Was wir dann tun, ist diese festgestellten Umweltkosten wieder zu investieren. Der Umweltwert, den wir schaffen, ist die Spiegelung der Umweltkosten. Das ist das Momentum, in dem die Umweltneutralität erreicht wird, weil die Kosten an dieser Stelle im Prozess reinvestiert und die externen Effekte internalisiert werden. Der Kunde muss eins zu eins das an Kompensation auch bezahlen, was er auch an Kosten für die Umwelt auslöst. Durch ein Monitoring, eine Überwachung des Entwicklungsstandes, kann HeimatERBE überprüfen, ob die Ziele ihrer Kompensationsmaßnahmen, die wir zuvor in einem Entwicklungsplan beschreiben, erreicht werden. Für HeimatERBE steht die Umweltneutralität im Fokus. Neben dem Treibhauseffekt, verursacht durch den Ausstoß klimawirksamer Gase, werden auch Komponenten wie Versauerung, Überdüngung (Eutrophierung), Ozonbelastung am Boden (Sommersmog) und Zerstörung der (schützenden) Ozonschicht in der Stratosphäre miteinbezogen. Durch die Kompensationsleistung werden die Schutzgüter biologische Vielfalt, Klima und menschliche Gesundheit gestärkt. Die oben erläuterten Begriffe wie Ökobilanzierung, Monetarisierung, Umweltwert und ökologische Aufwertungsleistung sind elementare Bestandteile zur Erreichung der Umweltneutralität.
Welche aktuellen Projekte führt ihr durch und was plant ihr als nächstes?
Ein aktuelles Beispiel ist der ehemalige Schachtstandort Ewald 5 in Herten. Dort steht als ganz besonderes Merkmal eine alte Schmiede auf der Fläche. Die Fläche war bis August 2021 noch relativ stark als Baustelleneinrichtungsfläche genutzt. Heute ist wieder Ruhe eingekehrt und wir haben uns dazu entschlossen das Gebäude zu einer “Artenschutzschmiede” umzubauen – wir hatten bereits Spuren der (vorherigen) Besiedlung durch eine Schleiereule und Fledermäuse vorgefunden, sodass sich die Umwidmung perfekt anbot. Das heißt, das ganze Gebäude ist nur für den Artenschutz vorgesehen. Wir haben das Gebäude komplett für den Menschen verschlossen und nur noch Einflugmöglichkeiten für Tiere hergerichtet, vor allem für Fledermäuse und für gebäudebewohnende Vögel. Außerdem haben wir Nisthilfen und Quartiersstrukturen an der Fassade und im Gebäudeinneren angelegt, welche als Habitate für die Tiere in Frage kommen. Aber es gibt auch kleine Eingänge für bodengebundene Kleinsäuger und Co, die dort auch Schutz finden können. Dieses Gebäude macht allerdings nur einen kleinen Teil der 8 ha großen Fläche aus. In weiteren Teilbereichen des Areals wird HeimatERBE außerdem Entsiegelungs- und Rückbaumaßnahmen vornehmen, Unrat beseitigen, vorhandene Biotope erhalten und optimieren (z.B. aufgeforstete Bestände in bodenständige Waldgesellschaften umwandeln oder staufeuchte Offenlandfläche in extensive, kulturlandschaftliche Nutzung überführen) sowie neue Lebensraumtypen anlegen bzw. deren Entwicklung begünstigen/zulassen (z.B. Fluren mit Pionier- und Spontanvegetation, blütenreiche Säume aus Stauden, Wildobstbestände).
Ein weiterer ganz interessanter Standort ist die Fläche Kurl 3 in Lünen. Dort ist es zum Beispiel so, dass relativ flächendeckend die Goldrute vorkommt und eigentlich den ganzen Charakter des Gebietes bestimmt. Da haben wir zuerst gedacht, es wäre wahrscheinlich am sinnvollsten den Boden abzuschieben. Aber im Kontakt mit dem NABU aus Unna hat sich ergeben, dass dort schon diverse Orchideen vorhanden waren. Jetzt sind wir dabei diese Fläche schonend umzuwandeln, so dass wir die Orchideen-Bestände erhalten können.
Ein ganz besonderes Projekt, das unser bisheriges Tun an Komplexität und Umfang bei weitem übertrifft, läuft gerade in Duisburg-Ruhrort an. Gemeinsam mit dem Unternehmen Haniel haben wir von HeimatERBE und greenzero.me es uns zur Aufgabe gemacht, den Stadtteil bis 2029 zu dem ersten umweltneutralen Quartier der Welt zu transformieren. Da wird eine Menge Arbeit mit der Stadt, lokalen Unternehmen, Interessengruppen und natürlich auch den Ruhrorter Bürger:innen auf uns zukommen. Das wird ein herausforderndes Projekt, das ein großes Potenzial für den Stadtteil, die ganze Stadt Duisburg sowie das Ruhrgebiet mit sich bringt.
Weitere Ankäufe von degradierten und devastierten Flächen, die nicht unbedingt nur ehem. Industriestandorte und im Ruhrgebiet sein müssen, sind geplant, um nach unserer bisherigen Arbeitsweise auch die wachsende Nachfrage nach ganzheitlicher, mehrdimensionaler und lokaler Kompensation decken zu können.
Alle weiteren Informationen rund um die aktuellen Projekte und vieles mehr können der HeimatERBE-Webseite entnommen werden. Außerdem gibt es einen Film, in dem weitere Details erläutert werden.
Autorin: Stephanie Stiehm
* lala.ruhr übernimmt mit dem takeover im Januar 2022 drei Wochen lang den Instagram-Account von vier.ruhr, der Allianz der Mülheimer Theater. Unser Thema: der Müllkomplex. Wir nehmen euch mit mit auf eine digitale Reise durch die Region und darüber hinaus – an Orte, an denen etwas aus Müll entsteht oder an denen mit dem gearbeitet wird, was wir umgangssprachlich so bezeichnen. Wir laden dazu ein, auch die Stadtlandschaft der Metropole Ruhr zirkulär zu denken und alle Materialien als ein Teil von Kreisläufen zu entdecken. Das Unternehmen HeimatERBE stellen wir vor, da es sich unter anderem um die Umwandlung von Flächen kümmert, die zuvor in der öffentlichen Wahrnehmung als “nutzlos” angesehen wurden und es Wirtschaftsunternehmen ermöglicht, umweltneutral zu agieren.
vier.ruhr ist die Theaterallianz von Theater an der Ruhr, Mülheimer Theatertage „Stücke“ und Ringlokschuppen Ruhr. Gefördert im Rahmen von NEUE WEGE durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit dem NRWKULTURsekretariat.
Quelle:
[1] Umweltdachverband (o.J.): Ökosystemleistungen – von der Natur kostenlos erbracht https://www.umweltdachverband.at/themen/naturschutz/biodiversitaet/oekosystemleistungen/

Die “Artenschutzsschmiede” am Schachtstandort Ewald 5 in Herten – eines der Projekte von HeimatERBE. © HeimatERBE
Takeover*: Das Ruhrgebiet als Urban Mining Valley!
Takeover*: Das Urban Mining Valley!
Das Ruhrgebiet hat bekanntlich eine jahrzehntelange Geschichte im Abbau von Braun- und Steinkohle vorzuweisen. Schon im 19. Jahrhundert lag der wirtschaftliche Fokus auf die Eisen- und Stahlindustrie. Die Montanindustrie inklusive vieler Arbeitskräfte aus dem Ausland sorgte damals für das erhebliche Städtewachstum. Durch die Kohlekrise im 20. Jahrhundert wurde letztendlich im Jahr 2018, nach ganzen 150 Jahren Bergbau, die Förderung eingestellt.
Und nun? Wo kommen unsere heutigen und künftigen Materialien heute her? Und wie sieht die Sekundärrohstoffnutzung aus? 7500 kg Metalle sind allein in einer 100 m2 großen Wohnung verbaut und rund 38 Tonnen Gold in 1,6 Milliarden Mobiltelefonen enthalten. Ein Lösungsansatz: die Kreislaufwirtschaft als Rohstofflieferant. “Urban Mining” lässt sich mit “Städtischer Bergbau” übersetzen. Noch bis vor kurzem wurde mit dem Begriff überwiegend die Öffnung von alten Deponien assoziiert. Zentraler Aspekt des Urban Mining Ansatzes ist aber vielmehr das Recycling als Wiederverwertung von Materialien. Rohstoffknappheit, aber auch der gewaltige Import von Rohstoffen sowie der Ausstoß von schädlichen Kohlenstoffdioxid (CO2) werden durch Urban Mining reduziert.
Als einer der Wegbereiter des Begriffs des Urban Minings in unserer Region gilt Rainer Weichbrodt, der sich bereits seit dem Jahr 2008 intensiv für das Thema einsetzt und 2010 das Format des “Urban Minings Kongresses” mit einigen Partnern gemeinsam ins Leben rief, der zuletzt 2018 in Dortmund stattgefunden hat. Zudem hat er den Urban Mining e.V. mit Sitz in Essen gegründet. Weichbrodt ist geschäftsführender Gesellschafter der Management Institut Dortmund GmbH (MID) und bezeichnet Urban Mining gerne als “neuen Bergbau des Ruhrgebiet”. Gründe hierfür: Erstens die hohe Verstädterungsrate inklusive der hohen Dichte in der Region. Das Ruhrgebiet mit seinen über 5 Millionen Menschen könne als eine große Stadt bezeichnet werden. Zweitens könnte nach Ansicht von Weichbrodt hier im Ruhrgebiet ein Strukturwandel mit Umwelttechnologien etabliert werden, weil gerade hier die Hochschulkompetenz am höchsten ist. In diesem Kontext verweist er gerne auf den Begriff “Urban Mining Valley”. Weichbrodt: “Meine Vision ist es, dies voranzutreiben, also Technologien zu fördern, mit denen wir uns auch als Wirtschaftsstandort positionieren können und weltweite Impulse setzen. So stärken und verbessern wir natürlich auch den Wirtschaftsstandort Ruhrgebiet.”
“Für mich ist Urban Mining das Nutzen und die Erkenntnis, dass Rohstoffe immer mehr sich aus dem Vorkommen der Erde in ein Vorkommen in Städten verlagert. Immer mehr werden Stoffe aus der Erde verwendet. Kupfer ist ein Material beispielsweise, was es heute schon in der Infrastruktur im größeren Maße gibt als Ressource in der Erde und vielen anderen Materialien wird es in der Zukunft ähnlich gehen, gerade bei den seltenen Metallen. Also ich habe die Rohstoffe nicht mehr in der Erde, sondern im Gebrauch und dort vielfältig durch die Verstädterung in der Stadt – und da gilt es eben in der Zukunft diese Ressource zu nutzen. Dabei wird der Mensch nicht nur als Verbraucher, sondern auch als Produzent wertvoller Ressourcen betrachtet”. Sein Appell: “Es liegt es an Allen, die wertvollen Metalle und Rohstoffe richtig zu entsorgen, um wiederum der Umwelt, der Gesellschaft, aber auch der eigenen Wirtschaft unter die Arme zu greifen”, fasst Weichbrodt seine Definition zusammen.
Schon Anfang der 1960er-Jahre hat die amerikanisch-kanadische Stadt- und Architekturkritikerin Jane Jacobs die Städte als Minen bezeichnet. Minen in dem Sinne, dass in der Infrastruktur der Städte viele Rohstoffe verbaut sind, die später wiederverwendet werden können. Aber auch Konsumgüter wie Elektrogeräte, Windkraftanlagen, Photovoltaikanlagen, Autos sowie Gebäude und Ablagerungen auf Deponien sind unsere heutigen Sekundärrohstoffe. Beim Urban Mining werden folgende Prozesse werden beim Urban Mining durchlaufen: “Aufsuchen (Prospektion), Erkundung (Exploration), Erschließung und Ausbeutung anthropogener Lagerstätten bis zur Aufbereitung der gewonnenen Sekundärrohstoffe”. Die vier Säulen der Urban Mining Strategie: Design for Urban Mining, Ressourcenkataster, Urbane Prospektion und Ressourcenrückgewinnung.
Zum Abschluss des Urban-Mining-Diskurses hier noch die formale Definition des Umweltbundesamtes: “Urban Mining ist die integrale Bewirtschaftung des anthropogenen Lagers mit dem Ziel, aus langlebigen Gütern sowie Ablagerungen Sekundärrohstoffe zu gewinnen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Güter noch aktiv genutzt und erst in absehbarer Zukunft freigesetzt werden oder ob sie bereits das Ende ihres Nutzungshorizonts erreicht haben.”
Wer eine einfache und kompakte Erklärung des Begriffs “Urban Mining” sucht, findet sie in diesem Video.
Textautorin: Stephanie Stiehm
* lala.ruhr übernimmt mit dem takeeover im Januar 2022 drei Wochen lang den Instagram-Account von vier.ruhr, der Allianz der Mülheimer Theater. Unser Thema: der Müllkomplex. Wir nehmen euch mit mit auf eine digitale Reise durch die Region und darüber hinaus – an Orte, an denen etwas aus Müll entsteht oder an denen mit dem gearbeitet wird, was wir umgangssprachlich so bezeichnen. Wir laden dazu ein, auch die Stadtlandschaft der Metropole Ruhr zirkulär zu denken und alle Materialien als ein Teil von Kreisläufen zu entdecken. Denn Müll ist für uns grundsätzlich eine Ressource und ein Fundus für Neues und eben nicht Abfall. lala.ruhr definiert Abfall als Wertstoff der Zukunft! Aus diesem Grund findet ihr auch in diesem Monat einige Blogbeiträge zum Thema “Müllkomplex”. Mit diesem ersten Blogbeitrag zu “Urban Mining” wird die Idee erläutert, das das Ruhrgebiet nicht nur Konsument sondern auch eine nachhaltige Ressource sein kann.
vier.ruhr ist die Theaterallianz von Theater an der Ruhr, Mülheimer Theatertage „Stücke“ und Ringlokschuppen Ruhr. Gefördert im Rahmen von NEUE WEGE durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit dem NRWKULTURsekretariat.
Quellen:
- Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) (2019): Der Ruhrbergbau. Von der Industrialisierung bis zur Kohlenkrise. https://www.bpb.de/apuz/283262/der-ruhrbergbau-von-der-industrialisierung-bis-zur-kohlenkrise#footnode10-10
- Deutschlandfunk Kultur (2018): Steinkohle-Bergbau im Ruhrgebiet. Schicht im Schacht. https://www.deutschlandfunkkultur.de/steinkohle-bergbau-im-ruhrgebiet-schicht-im-schacht-100.html
- Management Institut Dortmund GmbH (MID) (2010): Urban Mining-Umweltexperten aus dem Ruhrgebiet treiben das Thema an. http://www.mi-dortmund.de/urban-mining-umweltexperten-aus-dem-ruhrgebiet-treiben-das-thema-an/
- Management Institut Dortmund GmbH (MID) (2012): Der URBAN MINING® Award 2012 http://www.mi-dortmund.de/der-urban-mining%c2%ae-award-2012/
- Umweltbundesamt (UBA) (2017): Urban Mining. https://www.umweltbundesamt.de/themen/abfall-ressourcen/abfallwirtschaft/urban-mining#strategie-zur-kreislaufwirtschaft-
- Urban Mining Design (o.J.): Urban Mining. Basis-Informationen für Nachhaltigkeits-Laien. https://www.urban-mining-design.de/index.php?id=basisinformationen-fuer-laien

Im Januar 2022 übernimmt lala.ruhr den Instagram-Account von vier.ruhr, der Theaterallianz der der Mülheimer Häuser. Unser Thema: der Müllkomplex!



