green-blue streets: Planungsaufgabe an der RWTH Aachen

green-blue streets:
Planungsaufgabe an der
RWTH Aachen

green-blue streets: Wassersensible Stadt Essen-Altendorf. So lautet der Titel einer Planungsaufgabe des Lehrstuhls für Landschaftsarchitektur an der Rheinisch-Westfälisch Technischen Hochschule Aachen (RWTH), die von lala.ruhr mitentwickelt wurde. In dem Projekt geht es um die Erarbeitung eines Quartiersleitbildes für lebenswerte, grün-blaue Straßen, dessen Durcharbeitung für einen Straßen- und Platzraum sowie einen weiteren Freiraum eigener Wahl im Quartier.

Hintergrund der Aufgabe im aktuell laufenden Sommersemester: Unsere Städte müssen wassersensibler werden. Unter den Bedingungen des Klimawandels spielen Grüne und Blaue Infrastruktur eine zunehmend wichtigere Rolle für die Bewältigung von klimatischen Extremereignissen. Im Bereich Wasser bedeutet dies, dass die öffentlichen und privaten Freiräume sowohl Starkregenereignisse abpuffern als auch in längeren Trockenperioden attraktiv bleiben müssen. Auch in der Bestandsstadt ist hierfür ein schrittweiser Umbau notwendig. Neben den klassischen grünen Freiräumen wie Gärten und Parks sollten für ein ganzheitlich gedachtes System der wassersensiblen Stadt also auch Straßen- und Platzräume mitgedacht werden. Bis in die Stadtquartiere hinein sind sie der meistgenutzte öffentliche Raum der Stadt und die Kapillargefäße der städtischen Infrastruktur, sowohl über als auch unter der Erde.

Als Beispielquartier für die die Planungsaufgabe wurde der Stadtteil Essen-Altendorf gewählt, der unmittelbar an den Niederfeldsee grenzt. Mit dem See und den umgebenden Flächen wurde hier bereits eine grün-blaue Infrastruktur geschaffen, deren Verzahnung mit der Bestandsstadt jedoch noch nicht ausreichend ist. Um den See auch in Trockenphasen erhalten zu können, muss in Zukunft auch aus den angrenzenden Quartieren Niederschlagswasser gewonnen werden. Wie diese zu einem blau-grünen System weiterentwickelt werden können, wird am Beispiel der Weuenstraße und Umgebung bis ins Detail ausgearbeitet.

Wir freuen uns schon auf die Entwürfe der Studierenden, die ab Ende Juli auch hier auf dem Blog vorgestellt werden!

Blick in die Essener Weuenstraße: Lebenswerte Straßen in einer zukunftsfähigen Stadt sollten viele Ansprüche miteinander verbinden. Foto: Sebastian Schlecht.


Werkstattbericht: Urbane Biodiversität

Werkstattbericht:
Urbane
Biodiversität

Der Zusammenhang von unserem Handeln, der Degradierung unserer Ökosysteme und dem akuten Verlust von Artenvielfalt ist offensichtlich. Doch welche Rolle spielen Städte in diesem globalen Zusammenhang? Welche Wirkungen gehen von ihnen aus, wem bieten sie Lebensraum – und welche Möglichkeiten haben wir, von den Städten aus zu agieren und positive Entwicklungen zu ermöglichen? Fragen, die sich auch lala.ruhr immer wieder stellt, zuletzt im Kontext einer Werkstatt während des Festivals der Landschaft der Metropole Ruhr.

Die Begrifflichkeiten

Urbane Biodiversität bezieht sich als Begriff auf die biologische Vielfalt der Städte selbst. Unter regionalem Biodiversitätseinfluss versteht man den Einfluss menschlichen Lebens in der Stadt auf das Umland. Mit globalem Biodiversitätseinfluss bezeichnet man unseren Einfluss auf die weit entfernten Länder und ihre Ökosysteme – der von unserem globalen Konsumverhalten gezeichnet wird.

Biodiversität in der Planung

Generell lässt sich festhalten, dass „Natur in der Stadt“ in der Forschung ein noch recht junges Phänomen ist, dass erst seit den 1970ern mit dem Aufkommen der Disziplin Stadtökologie wissenschaftlich erforscht wird. Während Natur- und Artenschutz eine lange Tradition haben, kam Tier und Pflanze in der Stadt nur wenig Aufmerksamkeit zu. Ein gewichtiger Grund hierfür wird in der lange vorherrschenden Trennung zwischen dem Raum des Menschen und der Natur gesehen, die sich in Begriffen wie Naturlandschaft und Kulturlandschaft widerspiegelt. Inzwischen verknüpfen planerische Konzepte Räume und Funktionen – Parkflächen werden zb nicht mehr nur als Ort der Erholung definiert, sondern auch mit Blick auf die auf ihnen zu findenden Tier- und Pflanzenarten – auch für lala.ruhr beginnt Natur bereits auf der Fensterbank. 

Biodiversität in der Metropole Ruhr

Bereits seit 2012 existiert in der Metropole Ruhr das Netzwerk Urbane Biodiversität, das wichtige Partner:innen verbindet, die zum Thema Biodiversität arbeiten und eine Strategie für die Metropole Ruhr vorantreiben. Erst vor wenigen Wochen sind dazu Positionspapiere veröffentlicht worden, in denen neun Themen im Fokus stehen: Arten- und Biotopschutz, Industrienatur, Urbane Landwirtschaft, Urbane Waldnutzung, Freiflächen- und Biotopverbund, Klimawandel und Klimaanpassung, Stadtgrün und soziale Verantwortung, Urbanes Grün und Gesundheitsvorsorge sowie Umweltbildung und Umweltbildungszentren.

Konkret vor Ort werden durch das Netzwerk Urbane Biodiversität zum Beispiel die Arten im Landschaftspark Duisburg beobachtet – eine außerordentliche Vielfalt mit über 700 Pflanzenarten und Tieren. Exemplarisch hierfür stehen hier alleine 35 unterschiedliche Libellenarten auf dem Gelände des ehemaligen Industriestandortes.

Auch im Handlungsprogramm der Emschergenossenschaft zur Entwicklung einer klimaresilienten Region durch blau-grüne Infrastrukturen spielt Biodiversität eine wichtige Rolle. Die nötigen Lösungen zur Klimaanpassung eröffnen auch einen Handlungsspielraum. So ist beispielsweise die Art der Ausführung eines Gründaches dafür verantwortlich, ob auch Insekten und Vögel dort einen ergänzenden Lebensraum finden.

Zudem engagiert sich der NABU NRW  in vielen Projekten. Thorsten Wiegers betonte im Rahmen der Festivalwerkstatt, dass Biodiversität ein Indikator für lebenswerte Städte sein kann – und zwar nicht nur auf der sachlich notwendigen Ebene, sondern auch emotional mit Begeisterung. Laut einer Studie des Bundesamtes für Naturschutz stimmten 89 % der Menschen in Deutschland der Aussage zu, dass „die biologische Vielfalt in der Natur ihr Wohlbefinden und die Lebensqualität fördert.” Wichtig sei, dass gerade in der Stadt die Menschen mit der Natur und der Biodiversität in Verbindung treten und diese als selbstverständlichen Teil Ihres Lebensraumes wahrnehmen.

Ein weiteres spannendes Projekt zum Thema Urbane Biodiversität findet sich in Dortmund: Naturfelder Dortmund e.V., eingebettet in das EU-Forschungsprojekt „productive Green Infrastructure for post-industrial urban regeneration“ (proGIreg), bei dem die grüne Infrastruktur in ehemals industriell geprägten Bereichen gestärkt werden soll. Der Verein will dazu in Dortmund mit der Kommune und den Bürgern Flächen als Blühwiesen mit hoher Biodiversität aufwerten. Die ersten Flächen wurden bereits im Frühjahr 2021 eingesät.

Dekade der Wiederherstellung unserer Ökosysteme

Der Verlust der Biodiversität ist mit dem Klimawandel eine der großen benannten Krisen unserer Zeit. Die UN hat vor diesem Hintergrund die Dekade der Wiederherstellung der Ökosysteme ausgerufen. Unsere Städte spielen dabei eine große Rolle, denn sie entwickeln sich mehr und mehr von der Idee des mittelalterlichen Bollwerkes hin zu einem echten Lebensraum für Ihre Bewohner:innen. Auch Tiere sehen hier Ihre Chance und wandern in die Städte. Spannend im globalen Kontext: Die Arbeit des ICLEI – Local Governments for Sustainability. Auf der Website der Organisation findet sich ein Überblick der Aktivitäten zur Biodiversität im europäischen Raum. Über die Plattform findet noch dazu ein reger internationaler Austausch statt.

Fazit der Werkstatt

Die Metropole Ruhr kann aus ihrer Transformation heraus auch weitere Qualitäten entwickelt, die sich bereits heute in vielen Orten manifestieren, die ehemals durch die Schwerindustrie geprägt waren. Dies wird aber nicht die Lösung für eine globale Krise sein. Es besteht weiterhin ein großer Handlungsbedarf, die urbane Biodiversität auch als eine Grundlage für eine lebenswerte und klimaangepasste Stadt zu nutzen, und dabei auf die globale Situation positiv einzuwirken – direkt durch die Projekte, indirekt durch das entstehende Bewusstsein. Dabei bietet die fragmentierte Struktur der Metropole Ruhr und die aktuellen Aktivitäten zur Klimaanpassung einen potenten Handlungsrahmen, der auf der erfolgreichen bisherigen Transformation aufbauen kann: Die Metropole Ruhr als funktionierendes Ökosystem zu verstehen und auch als solche zu gestalten.

Text: Sebastian Schlecht
Foto: Bille Helbig

Ein Fuchs mitten im Bahnhof: auch, wenn es uns nicht immer unmittelbar bewusst ist, bieten unsere Städte Tieren und Pflanzen Lebensraum. Auch an Orten, an denen wir es nicht vermuten.


Neue Heimat: Ankommen in der Landschaft des Ruhrgebiets

Neue Heimat.
Ankommen in der
StadtLandschaft des
Ruhrgebiets

Omar Mohamad vergleicht für lala.ruhr die StadtLandschaft von Aleppo mit der von Mülheim an der Ruhr

Neue Heimat?

Jahr 2015. Der Wecker klingelt um 7 Uhr morgens. Draußen ist es noch dunkel. Ich möchte aus dem Bett raus, aber mein Verstand begreift nicht, dass der neue Tag begonnen hat. Und ich frage mich, hat der Tag schon begonnen? Vielleicht träume ich noch? Warum ist es immer noch dunkel. Ich bin daran gewohnt ein wenig Helligkeit wahrzunehmen, um den Tag zu beginnen. Irgendetwas in mir scheint nicht begreifen zu wollen. Morgens Licht zu haben, das ist für mich ein Gefühl von Heimat. Meine Heimat ist jedoch 2.936 km entfernt. Tiefe Einsamkeit überkommt mich in der morgendlichen Stille. In der Dunkelheit ist man immer nur allein einsam. Es ist mein erster Winter in Deutschland. Ich komme aus Syrien. Dort geht im Winter die Sonne um 6:30 Uhr auf. Mit den ersten Sonnenstrahlen erwachen die Menschen aus ihrer Traumwelt und beginnen den neuen Tag. Aber hier in Deutschland klingelt ein Wecker. Ich muss aus dem Bett und meinen Verpflichtungen nachgehen. Ich stehe auf und bereite mich vor. Ich ziehe mich warm an, nehme meine Tasche und verlasse die Turnhalle, in der ich mit vielen anderen untergebracht bin. An der Bushaltestelle warte ich nun auf den Bus. Es ist kalt und dunkel. Ich steige in den Bus ein und es ist immer noch dunkel. Ich frage mich: ist das ein Traum oder die Wirklichkeit? Träume ich oder wird es nochmal hell? Sollte es dunkel bleiben, dann träume ich. Ich schaue aus dem Fenster und betrachte die Häuser. Sie sehen aus wie die Häuser meiner Kindheit. Häuser die ich als Kind in Cartoons gesehen habe. Für mich sehen hier alle Häuser gleich aus. Ich schließe meine Augen und erinnere mich an die Häuserfassaden meiner Heimat. Ich öffne meine Augen. Ich bin endlich angekommen. Ich steige aus dem Bus und überquere die Straße. Bin ich das denn wirklich, angekommen? Wann ist ein Mensch in Deutschland eigentlich angekommen? Auf meinem Weg zur Sprachschule laufe ich durch einen Park und bleibe plötzlich stehen. Ich betrachte den Rasen. Das tiefe Grün fasziniert mich und hält mich für einen Moment lang fest. So ein sattes Grün kannte ich bisher nicht. Niemand der aus Syrien kommt kennt so ein Grün. Das Grün meiner Heimat ist ein anderes Grün und so frage ich mich, ob ich jemals hier ankommen werde. Es ist jetzt beinahe hell und es steht nun also fest, alles hier ist kein Traum!

Alte Heimat!

Aleppo ist eine sehr alte Stadt, die bereits drei Mal in Kriegen zerstört und wieder errichtet wurde. Nun ist sie wieder einmal zerstört. Der Unterschied zwischen Arm und Reich ist sehr groß. Hier findet man eine bunte Vielfalt an Kulturen, ethnischen Herkünften und Religionen. Araber, Kurden, Aramäer, Armenier, Assyrer, Tscherkessen und Turkmenen. Viele dieser Menschen sind Nachfahren von Vertriebenen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Aleppo ist zu ihrer Heimat geworden. Die Menschen leben dort dicht zusammen und alle 100 Meter ändert sich das Stadtbild vollständig. In jedem Haus leben oftmals wesentlich mehr Familien als in Deutschland. Die Häuser in Aleppo haben grundsätzlich keine Schrägdächer. Man kann somit über große Teile der Stadt blicken. Jede Wohnung hat einen Balkon, der groß genug ist für die ganze Familie. Es ist für uns selbstverständlich, morgens zusammen einen Kaffee auf dem mit zahlreichen Pflanzen beschmückten Balkon zu genießen. Es gibt hinsichtlich der ethnischen Herkunft sehr vermischte Straßenzüge und andererseits auch Quartiere mit weniger bis gar keiner Vermischung. Jedenfalls ist die kulturelle Identität der Stadt geprägt durch Vielfalt und Toleranz. Was ich an Aleppo vermisse, ist die lebendige Vielfalt der pulsierenden Metropole, die vielen Gerüche, das gute Essen und natürlich meine Familie und Freunde. Aleppo ist nicht nur die größte Industriestadt, sondern auch die Kulturhauptstadt des Landes. Die Stadt hat sich in der Moderne schnell entwickelt, ohne auf die Umwelt zu achten. Es gab Nachlässigkeiten und Versäumnisse. Wohngebiete und Industriegebiete sind dadurch vermischt. Erst spät kam man auf die Idee ein Industriegebiet außerhalb der Stadt einzurichten, um die Lebensqualität der StadtbewohnerInnen zu erhöhen. Dieses liegt nun einige wenige Kilometer entfernt im nordöstlichen Teil der Stadt. Ich habe damals bei der Stadtentwicklung in Aleppo gearbeitet. In der geschichtlichen Entwicklung der Stadt hatte sich die Industrie direkt im Stadtgebiet ausgebreitet. Eine große Herausforderung meiner Arbeit war es, die angesiedelten Unternehmen davon zu überzeugen das neu entstandene Industriegebiet zu nutzen.

Neue Ideen für meine neue Heimat

Jahr 2021. Ich steige aus dem Bus. Endlich angekommen in Deutschland. Ich fühle mich frei! Keine Angst mehr, keine Sorgen! Ich fühle mich frei, meine Meinung zu äußern ohne zensiert, verfolgt oder gar gefoltert zu werden. Für mich ist die deutsche Demokratie wie die Luft zum Atmen. Auch an die winterliche Dunkelheit habe ich mich gewöhnt und das satte Grün des Rasens ist nun das Grün meiner neuen Heimat! Doch wenn ich so durch die Straßen laufe, frage ich mich, warum man nicht mal eine autofreie Innenstadt einrichten kann oder zu mindestens einen autofreien Tag. Diese Straßen erinnern mich an die Straßen Aleppos, die auch nicht besonders sauber sind. Aleppos Straßenbild ist nicht grüner als in Mülheim, allerdings gibt es dort sehr große Parks. Am Bahnhof und der Mülheimer Innenstadt sind viel Betonbauten zu sehen. Die Ruhr als grüne Lunge rettet das Stadtbild. An einem Samstag im Monat trafen sich damals Einwohner und Nichteinwohner aus selbstständiger Initiative heraus, um gemeinsam die Straßen zu säubern. Anschließend wurde gemeinsam gegessen, getrunken und gefeiert. Auf diese Weise kamen die Menschen verschiedenster ethnischer Herkunft miteinander in Kontakt und es entstanden auch Freundschaften. So etwas hier in Mülheim als interkulturelle Initiative zu etablieren wäre großartig. Ich fahre weiter mit dem Metropolrad zu meiner neuen Arbeit. Nach der absolvierten Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann am Ringlokschuppen, bin ich nun Mitarbeiter am Theater an der Ruhr in Mülheim an der Ruhr. Die Straße ist gut, aber es gibt immer noch Löcher und die Bordsteine machen es auch nicht einfacher. Viele Autofahrer nehmen keine Rücksicht und beanspruchen die Straße für sich. Ein flächendeckender Ausbau der Fahrradwege könnte vorangetrieben werden. Es ist schwierig für mein Fahrrad einen sicheren Abstellplatz zu finden, viele Stellplätze sind mit alten, vergessenen Rädern belegt. Ich kann es immer noch nicht fassen. Vor einiger Zeit wurde mir mein Fahrrad gestohlen, und zwar direkt vor dem Gebäude des Ordnungsamtes. Ein Abstellplatz mit einer für den Dieb unüberwindbaren Sicherheitstechnik. Das wäre es! Ich fahre weiter eine kurze Passage an der wunderschönen Ruhr entlang. Wie ruhig und friedlich doch alles hier ist. Zum Traum fehlt nur noch mediterranes Wetter und kristallklares Wasser!

Omar Mohamad (*1989) ist an interkulturellen Projekten und einem Miteinander statt Nebeneinander interessiert. Er studierte in Syrien Betriebswirtschaftslehre und machte in Deutschland eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann. Seit 2016 engagiert er sich ehrenamtlich in diversen Projekten im Ruhrgebiet, unter anderem bei der “Freien Universität Oberhausen”, einem soziokulturellen Bildungsprojekt. Außerdem ist er Mitglied der Grün-Bunte-Liste für den Integrationsrat der Stadt Mülheim. Seit September 2020 ist er für PR und Audience Develpment im Collective Ma’louba am Theater an der Ruhr zuständig.


Jetzt anmelden: Werkstatt „Urbanes Gärtnern“ am 6. Mai!

Anmelden
für die Werkstatt
Urbanes Gärtnern!

Während unseres Festival der Landschaft der Metropole Ruhr musste die Werkstatt “Urbanes Gärtnern im Ruhrgebiet” krankheitsbedingt leider ausfallen.

Wir freuen uns, euch nun den Nachholtermin ankündigen zu können:
Am Donnerstag, 6.Mai, von 15-17 Uhr stellen Jonas Runte und Nils Rehkop von den Urbanisten aus Dortmund digital per Zoom verschiedene Formen des urbanen Gärtnerns vor und geben einen Überblick über die Szene im Ruhrgebiet. Dabei soll es auch darum gehen, vor welchen Hürden und Herausforderungen Menschen stehen, die gemeinschaftlich in der Nachbarschaft gärtnern wollen. Anschließend werden gemeinsam Vorschläge und Ideen diskutiert, wie die Bedingungen zur Entstehung und zum dauerhaften Bestand dieser Gärten verbessert werden können.

Wer dabei sein will, kann sich hier kostenfrei anmelden! Die Registrierung steht dabei allen offen – egal, ob zum ursprünglichen Festival-Termin bereits angemeldet oder nicht.

Foto: Luisa Gehnen/die Urbanisten e.V.

Verschiedene Formen des urbanen Gärtnerns stehen im Mittelpunkt des Workshops.


"Wildes Ruhrgebiet" stellt sich vor

momente
der
stadtnatur

Das Projekt “Wildes Ruhrgebiet” stellt sich vor

Auf den ersten Blick drängt sich das Ruhrgebiet nicht gerade als Arbeitsumfeld für Naturfotografen auf. Dennoch – oder gerade deswegen – haben sich einige Naturfotograf:innen, die im Ruhrgebiet aufgewachsen sind oder inzwischen hier leben, in dem Fotoprojekt „Wildes Ruhrgebiet“ zusammengeschlossen. Gemeinsam möchten sie mit ihren Aufnahmen zeigen, dass es im Ruhrgebiet sehr wohl naturnahe Räume und allerlei Schönes zu entdecken gibt. Natürlich fehlt es an der großflächigen Wildnis, die es mittlerweile überall auf dem Globus schwer hat. Aber zwischen Einkaufszentrum, Schwerindustrie, Verkehrswegen und dem allgegenwärtigen Ruhrpöttler gibt es überall kleine Areale, auf denen sich so manches Kraut und noch mehr Tiere heimisch fühlen.

Diese möchte Wildes Ruhrgebiet vor Augen führen, sie sichtbar machen und damit für sie das Wort erheben. Was eben auch bedeutet, auf die Lebensräume aufmerksam zu machen, die die Natur braucht und die tatsächlich auch da sind.

Copyright: Sabine Fabritz (Wildes Ruhrgebiet)

So gibt es etwa ausgesprochen naturnahe Wälder und sogar noch frei mäandrierende Bäche wie den Rotbach, der von Bottrop über Oberhausen bis nach Dinslaken in den Rhein fließt. Ein solches Gewässer ist in ganz Norddeutschland rar geworden. In den Auwaldresten der Ruhr jagen Reiher und Eisvogel, und auf den an das Ruhrgebiet überall angrenzenden Acker- und Wiesenflächen begegnen uns Hase und Reh. Fast wie überall sonst in Deutschland auch, wenn da nicht immer Hausdächer und die Schornsteine und Schachtanlagen im Hintergrund in Erscheinung treten würden.

Copyright: Stefan Fabritz (Wildes Ruhrgebiet)

Aber auch im Schatten der Industrieanlagen und ihrer Ruinen, an Bahngleisen, in unserer direkten Nachbarschaft auf dem Balkon und im Garten gibt es Leben. Diese kleineren Lebensräume gilt es vermehrt zu porträtieren, da solche Flächen zumeist überhaupt nicht als Biotop wahrgenommen werden. Dabei stellen gerade unsere Industriebrachen einen Landschafts- und Lebensraumtyp dar, den es so fast nur im Ruhrpott gibt und der für viele spezielle Arten eine letzte Zufluchtsstätte darstellt, da ihre eigentlichen, ursprünglichen Heimstätten längst verschwunden sind. Ohne Industriebrachen verlieren wir diese Arten vollends, aber auch das typische Charaktergesicht des Ruhrgebiets. Und damit auch ein Stück von dem, was uns hier ausmacht.

Wenn Sie einmal selbst im Ruhrgebiet auf Entdeckungstour gehen wollen, bieten sich viele Orte dafür an. Ganz im Westen liegen die Rheinauen in Walsum, wo man etwa einen Blick in einen Storchenhorst werfen kann. Von den vielen Spazierwegen entlang der Gewässer kann man zudem verschiedene Wasservögel beobachten.

Einen besonders atmosphärischen Morgen kann man auch an der Ruhr im Bochumer Süden bzw. bei Witten erleben, wenn im Frühjahr oder Herbst der Nebel im Ruhrtal liegt.

Copyright: Stefan Fabritz (Wildes Ruhrgebiet)

Aber auch inmitten der Industriekultur gibt es Natur zu entdecken. Hoch oben auf dem Förderturm der ehemaligen Bergwerksanlage der Zeche Nordstern etwa brütet der Wanderfalke in schwindelnder Höhe. Und im La Pa Du (Landschaftspark Duisburg Nord) lassen sich auf den Bahngleisen und den Aufschüttungen sowie an den Gebäuden zahlreiche Mauereidechsen finden. Zur richtigen Jahreszeit ertönt hier das Konzert der Kreuzkröten, die hier wie auch auf anderen brachliegenden Industrieflächen in kleinsten Gewässern zu Hause sind. Mit Geduld und behutsamen Verhalten lassen sich die Tiere nicht nur beobachten, sondern auch hervorragend fotografieren. Zudem zeigt sich hier sehr schön, wie verschiedene Wildpflanzen selbst die kleinsten Nischen zu ihrem Lebensraum machen.

Gute Fotomöglichkeiten finden sich überall dort, wo die Tiere an den Menschen gewöhnt sind und daher wenig Scheu zeigen. Etwa an den zahlreichen Parkgewässern, Parkanlagen und Naherholungsgebieten sowie den für unserer Region üblichen renaturierten Bergehalden. Hier wären als Beispiel die Abtsküche in Heiligenhaus, der Phönixsee in Dortmund, der Stadtteich in Bottrop und die Ruhraue in Essen-Heisingen zu erwähnen. Die besten Fotoergebnisse erzielt man mit Telebrennweiten ab 200 mm. Aber aufgrund der Vertrautheit der Tiere mit den Besuchern, sind durchaus auch Aufnahmen mit dem Smartphone möglich.

Wir wünschen auf jeden Fall allen interessierten viel Spaß beim Entdecken der Natur vor der Haustür.

Ein Zechenturm steht stellvertretend für die Industriekultur im Ruhrgebiet. Der Wandel zu mehr grün symbolisiert das singende Rotkehlchen auf dem Turm.

Text: Markus Botzek + Stefan Fabritz (Wildes Ruhrgebiet)

Zwischen Einkaufszentrum, Schwerindustrie und Verkehrswegen gibt es überall kleine Areale, auf denen sich so manches Kraut und noch mehr Tiere heimisch fühlen.


Plädoyer für eine starke Landschaftsarchitektur

Raumprägend und
verknüpft mit großen
Zukunftsfragen

Plädoyer für eine starke Landschaftsarchitektur

Wenige Berufszweige sind so raumprägend wie die Landschaftsarchitektur. Sobald wir uns draußen bewegen, befinden wir uns bereits mitten im Arbeitsfeld von Landschaftsarchitekt:innen – ob im Park, auf dem Spielplatz oder Schulhof, auf dem Radweg oder auf dem Marktplatz im eigenen Quartier. Trotzdem können nur wenige Menschen den Beruf wirklich einordnen, teilweise gilt er sogar als „exotische Nische“. Wer als Landschaftsarchitekt:in nach Feierabend im Freundes- und Bekanntenkreis von der eigenen Arbeit erzählt, wird mitunter gefragt, warum es ein Studium braucht um „ein Spielgerät oder eine Sitzbank aufzustellen“.

Woran das liegt?

Zum einen liegt daran, dass viele Bauherr:innen glauben, unsere Tätigkeit gleich übernehmen oder an Fachfremde delegieren zu können: „Das Außengelände machen wir eben schnell noch mit.“ Oder sich die Freiflächen einverleiben und betonieren. Die verbleibenden Quadratmeter sind dann im Grunde nur noch als Restflächen zu bezeichnen – der Ursprung sperriger Begriffe wie Abstandsgrün und Seitenstreifen. Und dafür braucht man dann doch schließlich keine Expert:innen, oder?

Dabei wächst das Aufgabenfeld Landschaftsarchitektur stetig an, es wird nicht zuletzt durch den fortschreitenden Klimawandel immer größer und drängender. Gut gestaltete, ausreichend dimensionierte und funktionierende StadtLandschaften befriedigen elemantare Bedürfnisse – die Pandemie führt uns allen gerade erst vor Augen, wie wertvoll grüne Freiräume sind.

Die Anforderungen an multifunktionale StadtLandschaften werden immer vielfältiger und umfassender:

Als Raum für Menschen sollen sie Begegnung ermöglichen (Freiraum ist immer auch Sozialraum) sowie der Bewegung und damit der Gesundheit dienen.

Aus klimatischer Sicht steht das Abfedern des Klimawandels im Vordergrund (Regenwassermanagement leisten, Kaltluftschneisen erhalten, anfallendes Regenwasser in Städten lokal aufnehmen und speichern nach dem Modell der Schwammstadt, etc.).

Mobilität für Alle ermöglichen (Mobilitätswende, Radschnellwege, transformierte Straßenräume, etc.).

Raum für Tiere und Pflanzen erhalten (Biodiversität fördern, Lebensraum Stadt).

Das Berufsbild Landschaftsarchitekt:in hat sich also in den vergangenen zwanzig Jahren enorm erweitert und ist ganz aktuell mit vielen Zukunftsfragen verknüpft. Die Landschaftsarchitektur als integrierende Disziplin stellt sich diesen Aufgaben, bringt Expert:innen zusammen und findet oft zukunftsweisende Lösungen für herausfordernde Fragestellungen – und das, obwohl die Disziplin in der öffentlichen Wahrnehmung weiter nur im Hintergrund agiert. Als gestaltende Disziplin ist die Landschaftsarchitektur darüber hinaus an ästhetischen und gleichzeitig technischen Lösungen interessiert – wie viele Berufsfelder basieren schon auf einem solchen herausfordernden Spagat?

Musterlösungen für viele der neuen Herausforderungen, die sich aus der Pandemie und den klimtischen Veränderungen ergeben, gibt es noch nicht. Dementsprechend wird in den nächsten Jahren viel Mut gebraucht – von Seiten der Planung genauso wie bei Kommunen und Auftraggeber:innen, um Modelllösungen auszuprobieren und neue landschaftliche Standards zu setzten und veraltete Vorstellungen von Straßenbegleitgrün aufzubrechen.

Wir brauchen eine kooperative Berufspraxis, um Lösungen zu entwickeln, die uns weiterbringen. Und wir benötigen vor allem auch mehr junge Menschen, die diesen wundervollen und wenig bekannten Beruf wählen – in den Datenbanken zur Berufsberatung von Schüler:innen kommt er mitunter gar nicht vor – weil er spannend ist und so viele Herausforderungen bietet.

Als Gesellschafterin eines Planungsbüros treibt mich außerdem die Ausbildungssituation speziell im Ruhrgebiet um: Ein riesiger, transformativer Ballungsraum ohne einen einzigen Landschaftsarchitektur-Studiengang. Eine vertane Chance für die Region, da gerade Studierende es sind, die frische Ideen für ihr Umfeld entwickeln – über die bekannten Lösungen hinaus.

Isabella de Medici hat Landschafts- und Freiraumplanung in Hannover und Barcelona studiert und lebt seit über 20 Jahren im Ruhrgebiet. Seit 2017 ist sie Gesellschafterin bei der Planungsbüro DTP Landschaftsarchitekten GmbH, hat einen Lehrauftrag bei der FH in Dortmund, ist Sprecherin für Freiraum beim bdla nrw und Teil des Teams von lala.ruhr. 

Wenige Berufszweige sind so raumprägend wie die Landschaftsarchitektur. Trotzdem gilt er als „exotische Nische“.
Foto: Planungsbüro DTP Landschaftsarchitekten, Essen


Im Gespräch mit Daniel Bartel von SEND NRW

"Social Entrepreneurs
benötigen andere
Rahmenbedingungen"

lala.ruhr im Gespräch mit Daniel Bartel von SEND NRW

Wie definiert das Social Entrepreneurship Netzwerk (SEND) Sozialunternehmertum?

Sozialunternehmer:innen – oder Social Entrepreneurs – sind Menschen, die ihre Kreativität, ihre Risikobereitschaft und ihren unternehmerischen Geist einsetzen, um innovative Ansätze zur Überwindung gesellschaftlicher Probleme zu entwickeln und zu verbreiten. Das primäre Ziel von Social Entrepreneurship ist also die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen. Dies wird durch die kontinuierliche Nutzung unternehmerischer Mittel erreicht und resultiert in neuen und innovativen Lösungen. Dabei steht der soziale beziehungsweise ökologische Mehrwert immer im Vordergrund, Gewinne werden als Mittel zum Zweck gesehen, gesellschaftliche Ziele intern und extern gelebt. Die Arbeit zielt also auf Wirkung, nicht primär auf Gewinn ab. Dies wird durch eine steuernde sowie regulierende Dimension gewährleistet.

Während in zahlreichen Ländern, allen voran Großbritannien, der Sektor des Social Entrepreneurship stark besetzt ist, schneidet Deutschland mit Blick auf die Daten aus dem Atlas of Social Innovation verhältnismäßig schlecht ab. Woran liegt das?

Vor allem daran, dass hierzulande sehr stark unterschieden und getrennt wird zwischen Gemeinwohl, Gemeinnützigkeit sowie Gewinnorientierung. Unternehmertum wird dementsprechend regulatorisch per se mit kapitalistischer Gewinnerzielungsabsicht verbunden, nicht mit dem einem sozial-innovativen Wirkungsgrad. Ein gutes Beispiel an dieser Stelle ist Viva con aqua, ein internationales Netzwerk, gegründet in Hamburg, das sich für einen sicheren Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung einsetzt. Das Unternehmen macht Umsatz und setzt ihn für soziale Zwecke sein – nach den deutschen Richtlinien ist hier schwer zu definieren, ob Gemeinwohl-Orientierung oder Gewinnorientierung vorliegt.

Laut SEND steckt Social Entrepreneurship insbesondere in Nordrhein-Westfalen und damit auch dem Ruhrgebiet noch in den Kinderschuhen. Warum?

Hier greift das oben beschriebene Problem: In Nordrhein-Westfalen wird seitens der Politik noch nicht anerkannt, das Social Entrepreneurs andere Rahmenbedingungen benötigen und andere Ziele verfolgen als klassische Unternehmen. Während Unternehmer:innen sich primär danach orientieren, Gewinne zu erzielen und mit diesen weitere Arbeitsplätze schaffen, haben Sozialunternehmer:innen sich das Ziel gesetzt, wirkungsorientiert zu arbeiten und sich damit obsolet zu machen, sobald das Problem gelöst ist. Weil Gewinne sowie Gemeinwohl bisher getrennt bedacht werden, fehlen in NRW noch die Unterstützungsangebote und Förderprogramme für angehende Social Entrepreneurs. Andere Bundesländer, beispielsweise Hessen, sind bereits einen Schritt weiter. Hier gibt es das Förderprogramm Sozialinnovator, das Beratung und finanzielle Ressourcen bietet für Unternehmer:innen ohne kapitalistische Gewinnerbringungsabsicht. Lediglich in einigen Kommunen, beispielsweise Dortmund, gibt es mit dem Start Grow-Programm positive Ausnahmen. Auch der Impact Hub in Essen fördert Social Innovation. Aber grundsätzlich fehlt sozusagen noch die Infrastruktur. Hier sind Struktur-Investitionen seitens der Politik dringend notwendig, weil sie ein gewinn-orientierter Markt ungern bereitstellen wird.

Was bräuchte es noch, neben Beratung und Anschubfinanzierung für Gründer:innen?

Angepasste Verfahren des Bundes und der Länder. So findet behördlicher Einkauf von Material und Dienstleistungen in der Regel nach dem Kriterium des günstigsten Preises statt. Soziale Kriterien werden nicht mitgedacht oder stehen nur an zweiter Stelle. Diese könnten aber dazu führen, das Sozialunternehmer:innen häufiger zum Zug kommen.

Ein spannender Aspekt, bei dem sich erneut der Blick nach Großbritannien lohnt. Unter dem Ansatz des „Community Wealth Buildings“ werden solche Aspekte zunehmend mehr Städten, darunter Preston als Vorreiter, bedacht. Bei der kommunalen Vermögensbildung geht es um die Schaffung einer widerstandsfähigen und integrativen Wirtschaft zum Nutzen des lokalen Gebiets. Im Großraum Liverpool wiederum gibt es über 80 Sozialunternehmen mit explizitem sozialräumlichem Ansatz. Die Bandbreite reicht von einem Waschsalon als Community Hub über eine genossenschaftlich organisierte Bäckerei bis hin zu The Womens Organisation, einem Sozialunternehmen, das unter anderem über Workshops und Coachings den beruflichen Weg von Frauen als Gründer*innen fördert und unterstützt.

Ja, genau solche Ansätze benötigen wir auch hier. Gerade Behörden können über ihren Haushalt steuern. Der Gemeindekreis Höxter arbeitet gerade beispielsweise an einer Gemeinwohlbilanzierung. Aktuell gibt es sogar eine Petition, die das Bilanzieren nach Gemeinwohl für öffentliche Einrichtungen ermöglichen soll. Außerdem zeigt sich anhand dieser Beispiele auch eine strukturelle Dimension. Nach welchen Regeln soll das Ruhrgebiet künftig wirtschaften, soll weiterhin nur der Profit im Vordergrund stehen? Oder sorgen wir dafür, das gemeinwohlorientiertes Unternehmertum sowie Gemeinwohl-Innovation aktiv gefördert wird – durch entsprechende Auflagen bei Vergabe und Genehmigung. Bis hin zu einer überzeichneten Vision: Dürfen künftig nur noch Waschsalons mit sozialräumlichem Ansatz eröffnen?

Sollte die öffentliche Hand hierfür mehr Kooperation und Kollaboration wagen?

Unbedingt. Open Social Innovation ist hier das Stichwort. Mit dem Update-Deutschland-Hackathon ist auf Bundesebene gerade ein gutes Beispiel hierfür gestartet. Der klare Vorteil liegt darin, dass Behörden sehr langsam agieren, Unternehmer:innen hingegegen schnell und pragmatisch. Wichtig dabei allerdings: sich als Institution als neutrale, wirksamkeitsorientierte Plattform verstehen, auf potenzielle Partner:innen wie den Impact Hub Ruhr zugehen, klare Regeln formulieren. Zum Beispiel: Der Gewinn muss im Ruhrgebiet und den Strukturen vor Ort bleiben.

lala.ruhr legt den Fokus auf grüne Infrastruktur und kooperative Landschaftsentwicklung. Ein Thema für Social Entrepreneurs?

Definitiv! Gerade in der Forstwirtschaft spielen Social Startups derzeit eine große Rolle. Aktiv beflanzen und umgestalten – da sind viele Modelle denkbar, die moderne Mittel und Technologien mit Herausforderungen wie der Begrünung unserer Städte verbinden.

Zum Abschluss nochmal ein Blick über den Rand des Ruhrgebietes hinaus: Welche nationalen und internationalen Beispiele sollten wir im Blick haben?

Das EU-geförderte Programm BRESE (Border Regions in Europe for Social Entrepreneurship) und Las Vegas als eine Stadt, in der die zunehmende Zahl von Casinos strukturell viel zerstört hat. Social Entrepreneurs setzen nun an, die Stadt neu aufzubauen.

Und noch eine persönliche Frage: Warum bist du Social Entrepreneur?

Weil ich dafür brenne und glaube, dass wir in unserer Gesellschaft unheimlich viele Potenziale haben, um Probleme zu lösen, und zwar im ökologischen und ökonomischen Einklang. Lebenswert, regenerativ und mit Respekt für alle zukünftigen Lebensformen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Interview: Sonja Broy  

Daniel Bartel ist Brückenbauer zwischen Realität und einer gemeinwohlorientierten Zukunft, Social Innovator und NewWork-Pionier make it – einem Netzwerk aus 100 Gründer*innen, welches weltweit bereits über 1.000 (Social) Startup-Teams etablierter Unternehmen beflügelte. Daniel hat drei Bücher herausgegeben, beschäftigt sich als Changemaker mit den wesentlichen Fragen verantwortungsbewusster Geschäftsmodelle in einer digitalisierten Gesellschaft und ist Organizer der Unfuck Düsseldorf. Er wurde kürzlich unter die “Top 40 unter 40 – Macherinnen und Macher im Rheinland” gewählt


Werkstattbericht: Kreative Brachflächennutzung - Blaupausen für Raumpioniere

Werkstattbericht:
kreative brachflächennutzung -
blaupausen für raumpioniere

Raumaneignung durch kreative Pionier*innen – wie ist das möglich, wie funktioniert das im Ruhrgebiet? Darüber haben sich mit Svenja Noltemeyer (Büro für Möglichkeitsräume, Urbanisten e.V.), David Coerdt (Pandora2.0) und Frank Münter (Transition Town Essen) im Kontext des lala-Festivals drei Aktivist*innen ausgetauscht, die bereits seit vielen Jahren Verantwortung für Brachflächen übernehmen und für eine Do-it-yourself-Mentalität in der Stadtentwicklung werben.

Ausgangspunkt der Debatte: die vor fast 20 Jahren im Ruhrgebiet lancierte aber nie umgesetzte Projektidee „land for free“, die experimentelle, kreativ-unternehmerische Projekte ermöglichen sollte, um Brachflächen im damals noch schrumpfenden Ruhrgebiet zu beleben. Außerhalb von Bauordnung und Restriktionen sollten Zwischenflächen Raumpionier*innen mit innovativen Ideen zur Verfügung gestellt werden, um soziale wie wirtschaftliche Effekte zu erzielen. Eine Idee, die offiziell nie zum Tragen kam – und nun in Do-it-yourself-Manier an verschiedenen Stellen des Ruhrgebietes umgesetzt wird.

Wandel durch Kultur, Kultur durch Wandel

Raumplanerin Svenja trägt die Idee im Kern weiter und schafft mit ihrem Büro für Möglichkeitsräume und den Dortmunder Urbanisten Rahmen zur Umsetzung von Ideen. Durch Vernetzung, Kooperationen sowie Unterstützung bei Förderanträgen soll es den Menschen in der Stadt ermöglicht werden, ihre Umwelt aktiv mitzugestalten.

„Lebenswerte Städte werden durch Menschen vor Ort gemacht. Durch den Behördendschungel kommt man allein aber nur sehr schwer. Um Strategie der Europäischen Kulturhauptstadt RUHR.2010 ‚Wandel durch Kultur, Kultur durch Wandel‘, die Stadt der Möglichkeiten und Kreativität weiterzuführen, braucht es bessere Strukturen im Ruhrgebiet. Den Menschen muss es leicht gemacht werden, sich für ihre Stadt einzusetzen.“  (Svenja)

Die selbstwachsende Stadt als DIY-Angebot

Im Dortmunder Norden arbeitet seit Längerem David, der für Pandora 2.0 eine Fläche gemietet hat, auf der eine „selbstwachsende Stadt“ unter den Aspekten des Upcycylings und der Klimaneutralität aus Seecontainern entstehen soll. So wird zur Gestaltung der Gemeinschaftsflächen auf ausgediente Festivaldeko und recycelte Baumaterialien zurückgegriffen, die per Fahrradanhänger transportiert wird.

„Pandora2.0 ist ein Ort, an dem sich jede*r frei entfalten kann. Ein Ort für Kultur, Austausch und Begegnung, der nach den Bedürfnissen der Menschen wachsen kann. Keine Partyfläche, sondern ein Vernetzungsort zum Entwickeln und Voranbringen von gemeinsamen Ideen und Projekten, an dem sich Freigeister treffen.“ (David)

Auf dem angemieteten ehemaligen Gewerbeareal soll sich Pandora2.0 durch das stetige Andocken von weiteren Containern weiterentwickeln – kein leichtes Vorhaben mit Blick auf die Gesetzeslage in Deutschland. Derzeit agiert David als Privatpersonan der Schaffung von Rechtssicherheit in Bezug auf eine feste, gewerbliche Nutzung und eine Konzession für Veranstaltungen, die finanzielle Sicherheit bringen soll.

Macher*innen und Ermöglicher*innen

Frank kommt aus der „Gemeinschaftsgarten-Ecke“ und hat sich mit seinen Mitstreiter*innen in Essen-Altenessen der weltweiten Transition-Town-Bewegung angeschlossen, die möglichst viele Menschen dazu bewegen will, in ihrer Umgebung anders zu handeln und zu wirtschaften. In Altenessen werden durch ihn und sein Team brachliegende, vermüllte Grundstücke durch mobile Gartenelemente wie Hochbeete in grüne Kleinode verwandelt.

„Wir helfen mit Wissen, Herz und Hammer und wollen als Transition Town unsere Viertel aufwerten, trostlose, lieblose, verwahrloste Plätze wieder mit positivem Leben füllen.“ (Frank)

Dabei kooperiert Transition Town mit der Stadt Essen. „Wir werden sehr gut unterstützt“, so Frank. Denn die Stadtverwaltung sehe die Vorteile: Flächen, die durch Transition Town für einige Jahre gestaltet werden, müssen von städtischer Seite nicht mehr gepflegt werden. Transition Town hat eine dementsprechende Abmachung in der Verwaltung bekommt z.B. aufgegebene Spielplätze angeboten.

Die Aktivist*innen von Pandora2.0 hingegen haben im Umgang mit der Verwaltung und Politik andere Erfahrungen gemacht. David erinnert sich: Ursprünglich entstand die Idee in Lünen, wo wir ein richtiges Konzept vorgelegt haben, auf einer Halde, mit Kompostklo und Container. Da wurden wir belächelt, nach dem Motto „lass die Kinder mal machen.“ Sieben Jahre lang lag die Idee auf Eis, bevor David nach einem Umzug nach Dortmund im Jahr 2018 erneut Gespräche aufnahm, und im Februar 2019 mit einigen Mitstreiter*innen loslegte. „Das Projekt Kliemannsland in Niedersachsen hat mir dabei den Mut gegeben, meine Idee wieder aufzugreifen und in die Tat umzusetzen. Ich konnte zwei Jahre lang auf Youtube sehen, dass ein ähnliches Konzept funktioniert und angenommen wird. Derzeit versucht er verstärkt, mit der Emschergenossenschaft in Kontakt zu treten und – analog zum Konzept von Transition Town – zukünftig Flächen zu bespielen, diese nicht mehr länger verwalten und pflegen möchte, um dort beispielsweise Gemeinschaftsgärten mit Hochbeeten zu initiieren.

Aber kann eine Zwischennutzung, wie sie sowohl bei Transition Town als auch bei Pandora2.0 betrieben wird, wirklich nachhaltig sein? Immerhin stecken Pionier*innen viel Zeit und Ressourcen in Flächen, die dann unter Umständen nach wenigen Jahren durch Investor*innen oder Stadt bebaut und anderweitig genutzt werden. Klare Antwort: Ja, sie ist immer besser, als im Zustand des Nichtstuns zu verharren. Zudem setzten beide Initiativen auf mobile Elemente, die einfach auf neuen Flächen wieder aufgebaut werden können, so dass dort schnell wieder neue Erlebnisräume entstehen könnten.

Stadt der Zukunft mitgestalten

Die abschließenden Wünsche der drei Pionier*innen zur Schaffung von mehr Ermöglichungsräumen und -kultur können wie folgt zusammengefasst werden:

  1. Verwaltungen sollten bereit sein, brachliegende Flächen zur (temporären) Nutzung an entsprechende Netzwerke zu geben – eine Win-Win-Situation, da die Pflege durch die Kommune entfällt und Raumpionier*innen zugleich ihre Ideen testen können.
  2. Menschen, die ihre Stadt mitgestalten möchten, sollten sich leicht an ein Netzwerk von Raumpionier*innen wenden können, um einen niederschwelligen Einstieg ins Mitmachen zu erhalten.
  3. Es bräuchte die Möglichkeit, eine Anfangsinvestition zu erhalten, damit Akteur*innen ihre ehrenamtliche gemeinschaftliche Arbeit nicht aus ihrer privaten Tasche finanzieren müssen – hierbei kann ein Betrag wie 1.000 Euro bereits viel bewirken.
  4. Förderungen sollten ohne Auslagen-Vorkasse funktionieren, um nicht persönlich für die angagierte Gruppe ins Risiko gehen zu müssen.
  5. Es braucht Förderberatungen, um zu wissen, für welche Ideen es welche Mittel gibt und wie man es ermöglicht, dass auch Initiativen ohne eigene Rechtsform Anträge stellen können.

Wer das Festivalgespräch verpasst hat, bei dem unter anderem auch noch über die Erfahrungen mit Vandalismus bei kreativer Brachflächennutzung gesprochen wurde, kann sich die Aufzeichnung über den twitch-Kanal von Pandora2.0 anschauen:
www.twitch.tv/PandoraZweiPunktNull

Text: Sonja Broy
Foto: Pandora2.0

Raumaneignung durch kreative Pionier*innen – wie ist das möglich, wie funktioniert das im Ruhrgebiet?


Werkstattbericht: Grüne Wege, grüne Räume – neue Infrastrukturen für lebenswerte Städte

werkstattbericht:
grüne wege, grüne räume –
neue infrastrukturen für lebenswerte
städte

Wir brauchen weniger Parkplätze und mehr Radverkehr in unseren Städten – darin sind sich viele Stadtbewohner:innen, Initiativen und Planer:innen einig. Sollen hierfür allerdings Parkplätze verschwinden, münden sämtliche Planungsprojekte in schöner Regelmäßigkeit in erbitterten Debatten. Die Leitfrage der Festival-Werkstatt mit Robin Römer (cityscaper) und Jan van den Hurk (Radentscheid Aachen) lautete dementsprechend: Wie bringen wir fahrradfreundliche Infrastruktur auf die Straße und kommunizieren die Neuaufteilung und Aufwertung von Straßenraum?

Vor allem durch eine Kommunikation, die den Mehrwert der Umgestaltung für alle begreifbar macht – und dafür braucht es gute Argumente. Den Teilnehmenden wurde für Kleingruppen-Diskussionen in digitalen Break Out-Rooms jeweils eine Rolle zugewiesen. Spannend war hierbei, mitzuerleben, wie teilnehmende Verwaltungsmitarbeitende losgelöst von ihrer beruflichen Position in der Rolle als Bürger:in diskutieren und Bürger:innen die Sicht der Politik vertreten. Die Ergebnisse wurden in einem digitalen Whiteboard zusammengetragen, auf dem Argumente und Gegenargumente schnell ein buntes Zettel-Mosaik aus Rede und Gegenrede bildeten. Hier ein paar Auszüge der Diskussion:

  • Es fährt ja sowieso niemand Fahrrad!
    Wo kein Angebot, da auch keine Nutzer:innen.
    Bevor eine Brücke gebaut wird, zählt auch keiner, wie viele Menschen durch den Fluss schwimmen.
  • Bäume sind sehr kostenintensiv, brauchen Wasser, Pflege, verursachen Laub und Pollen.
    Stadtklima und Umweltschutz dürfen Geld kosten.
    Klimawandel-Adaptation durch Begrünung und weniger asphaltierte Flächen bietet Schutz vor Starkregen und lindert Hitzewellen.
  • Es fahren doch ohnehin alle Auto!
    Mehr Straßen führen auch zu mehr Autoverkehr, mehr Parkplätze zu mehr Autos.
    Der aktuelle Fokus auf Autos ist ungerecht, weil Menschen benachteiligt werden, die kein Auto haben/es sich nicht leisten können.
    Autoinfrastruktur ist teurer als Radinfrastruktur (weniger versiegelte Flächen, weniger Instandhaltungskosten), deshalb Paradigmenwechsel.

In einem zweiten Durchgang wurden anhand eines konkreten Falls verschiedene Querschnittsvarianten einer Straße diskutiert, einmal auch unter Einbezug von 3D-Visualisierungen. Im Rollenspiel zeigte sich, dass sowohl in der öffentlichen als auch der politischen Wahrnehmung in der Regel die Variante bevorzugt wird, die den meisten Parkraum bietet. Aber auch, dass durch die zusätzliche 3D-Visualisierung einer Allee der Mehrwert einer grünen Straße überhaupt erst verstanden und folglich nicht mehr anhand der bloßen Fakten geurteilt wird, beispielsweise in Bezug auf die Anzahl von Parkplätzen und Bäumen.

Der Tenor des Workshops: Durch klare und prägnante Kommunikation, die einen lebenswerten Raum für alle verständlich und begreifbar macht, können Widerstände abgebaut werden. Der Fokus sollte, auch durch unterstützende Visualisierungen, auf die positiven Seiten der Veränderung gelenkt werden – nicht auf bloße Zahlen, die den Menschen suggerieren, Ihnen würde „etwas weggenommen“.

Text: Sonja Broy
Visualisierung: cityscaper

Durch 3D-Visualisierungen wird der Mehrwert einer grünen Straße in der Regel überhaupt erst verstanden.


Werkstattbericht: Das SÖZ als Labor für eine grüne (Stadt-)Landschaft

Werkstattbericht: das söz
als labor für eine grüne
(stadt-)landschaft

An der Schnittstelle zwischen der Frage nach sozialer Gerechtigkeit und einer Reaktion auf die Klimakrise entstand die Idee eines sozial-ökologischen Zentrums (SÖZ) für Dortmund. Mila Ellee und Florian Heinkel haben in der von ihnen geleiteten Werkstatt während des Festivals der Landschaft aus den Gründungsumständen der noch jungen Initiative berichtet: Das SÖZ entstand als Idee zu den Kommunalwahlen im Herbst 2020, aus dem Zusammenschluss verschiedener Initiativen in Dortmund, z.B. der Hafeninitiative, der Fridays-for-Future-Bewegung Dortmund und dem Kollektiv „Dortmund von Unten“. Sie fußt auf Forderungen nach einem „Unabhängigen Zentrum Dortmund”.

Tatsächlich wurde im Rat der Stadt Dortmund bereits unabhängig von den Aktivitäten der Initiativen nach einer Vorlage von CDU und Grünen beschlossen, ein SÖZ in Dortmund mit Raumangeboten zu unterstützen. Das SÖZ soll die drängenden ökologischen und sozialen Fragen unserer Zeit thematisieren, Raum zum Diskurs bereitstellen, aber auch Gelegenheit bieten, mit kleinteiligen Experimenten die Zukunft der Stadt und des umgebenden Quartiers aktiv und tatkräftig mitzugestalten.

Leider konnte bisher keine passender Ort gefunden werden. Es stehen einige Anforderungen bereits fest, so besteht etwa der große Wunsch nach der Möglichkeit, unkommerzielle Veranstaltungen auszurichten; außerdem sollen Begegnungsmöglichkeiten geschaffen werden, um den Aktiven eine Basis für ihre gemeinwohlorientierte Arbeit zu ermöglichen.

Die zweite Hälfte des Workshops stand dann ganz im Zeichen der Entwicklung von Nutzungsideen und -anforderungen. Mittels eines Miro-Boards wurden gemeinsam Raumnutzungen für die bisher noch fiktive Immobilie und Ihre Umgebung gesammelt. Dabei wurde unter anderem der Wunsch nach Probe- und Arbeitsräumen formuliert, und der Bedarf nach unkommerziellen Floh- und Tauschmärkten. Allen erschien  wichtig, dass das SÖZ eine Küche bekommt, in der gemeinsam gekocht werden kann. Besonderes Gewicht in der Diskussion kam dem Außenbereich zu. So soll das SÖZ als ökologisches Projekt unbedingt einen Gemeinschaftsgarten besitzen – auch, um besser mit den Menschen aus der Nachbarschaft durch Natur und Ernährungin in Kontakt zu kommen.

Momentan ist die Initiative noch in der Gründungsphase. Eine Kerngruppe aus ca. 20 Personen trifft sich regelmäßig (aktuell digital) und ist immer offen für Personen, die sich für die Entwicklung des SÖZ engagieren wollen. Das SÖZ sollte verkehrsgünstig mit dem ÖPNV in Dortmund zu erreichen sein – auch Raumideen und Vorschläge sind sehr willkommen!

Kontakt über soez-do@riseup.net / Instagram: soez.dortmund / Twitter: @soez_dortmund

Text: Jan Bunse/Mila Ellen

Foto: Initiativkreis SÖZ

An der Schnittstelle zwischen der Frage nach sozialer Gerechtigkeit und einer Reaktion auf die Klimakrise entstand die Idee eines sozial-ökologischen Zentrums für Dortmund.


Credits: Ravi Seick

Werkstattbericht: Wie möchten wir mit der Landschaft im Ruhrgebiet umgehen?

Werkstattbericht:
Wie möchten wir mit der
Landschaft im
Ruhrgebiet umgehen?

Die Landschaft im Ruhrgebiet ist heterogen. Sie ist geprägt durch Industriebrachen, Nebeneinander von Stadt und Land, kleine grüne Oasen im urbanen Raum. Genauso vielfältig wie die fünf Millionen menschlichen Einwohner:innen, die von der Landschaft profitieren. Eine wichtige Frage, mit der wir uns als lala.ruhr-Team auseinander setzen möchten, ist die Frage nach unserem Umgang mit dieser besonderen Landschaft im Ruhrgebiet. Beim Festival der Landschaft haben wir im Rahmen eines Werkstattgesprächs genau diese Frage mit Frank Bothmann vom Referat für Landschaftsentwicklung und Umwelt des Regionalverband Ruhr und Dr. Ilka Mecklenbrauck von der Fakultät Raumplanung der TU Dortmund diskutiert. Durch das Gespräch geführt hat der Raumplaner Jan Bunse von den Urbanisten.

Klar ist, dass es Vorgaben und Maßnahmen braucht, um die Landschaft vor Eingriffen zu schützen und ihren Wert zu erhalten. Im Moment werden Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen bei Eingriffen in die Natur vor allem mithilfe von konkreten Bilanzierungen und Ökokonten festgelegt. Je nach Eingriff müssen diese A+E-Maßnahmen eine bestimmte Qualität haben und werden mit Ökopunkten auf den Ökokonten von privaten und öffentlichen Flächeneigentümer:innen gut geschrieben. Dieser sehr rechnerische Umgang mit der Landschaft führt zum einen zu einer “normierten Landschaft” und zum anderen zu einem tatsächlichen Geschäft mit der Landschaft, das durch Bauherr:innen und Flächeneigentümer:innen bestimmt wird.

Auf der anderen Seite sehen wir uns einer Flächenknappheit ausgesetzt, die sich nicht nur innerstädtisch bemerkbar macht, sondern auch im ländlichen Raum des Ruhrgebiets –  hoch emotionalisierte Debatten und ein immer höherer Druck auf die Freiräume sind oft die Folge. Insbesondere Landwirt:innen stehen häufig vor dem Problem des doppelten Flächenverlustes: Landwirtschaftliche Flächen sind von der Siedlungserweiterung betroffen und werden in diesem Zuge bebaut. Diese Bebauungen sind wiederum ausgleichspflichtig und für die notwendigen Ausgleichsmaßnahmen werden Ackerflächen genutzt. Da das ökologische Verbesserungspotenzial auf landwirtschaftlichen Flächen sehr groß ist, erhalten die Bauherr:innen für einen Ausgleich auf einer solcher Fläche sehr viele Ökopunkte auf ihrem Ökokonto.

“Das Feld schreit nach neuen Ideen.”

Auch im Gespräch und durch die Beiträge der Werkstattteilnehmenden ist vor dem Hintergrund des Status Quo im Umgang mit der Landschaft offensichtlich, dass Planende, Flächeneigentümer:innen und Bauherr:innen umdenken müssen und die Politik innovative Lösungswege ermöglichen muss. Frank Bothmann hat es dementsprechend auf den Punkt gebracht hat: “Das Feld schreit nach neuen Ideen.”

Wie genau diese Lösungswege und vor allem tiefgreifende Veränderungen im Umgang mit Landschaft realisiert werden können, ist derzeit noch offen. Denn dafür sind Gesetzesänderungen auf Bundesebene nötig, denen in der Regel ein langer Prozess vorausgeht. Nichtsdestrotrotz gibt es bereits Ideen und Vorschläge von Planenden, Forscher:innen und auch aus der Praxis.

Dazu gehört beispielsweie die Integration von Landschaft in den urbanen Raum, die Weiterentwicklung der ökonomischen Bewertung von Natur und der Fokussierung der Ökosystemleistungen, temporäre und flexible Strukturen für Freiräume, die produktive Bewirtschaftung von Landschaft oder das Verstänsnis von Landschaft als Kultur- und Integrationsraum. So attraktiv solche Ideen erst einmal klingen, so wichtig ist es in der Diskussion, auch die Fallstricke zu beachten. Ilka Mecklenbrauck plädiert in diesem Kontext dafür, potenzielle Nutzungskonflikte von vornherein in der Planung mitzudenken und der Landschaft mit einer angestrebten Multifunktionalität von Flächen nicht zu viel zuzumuten. Ein – in unseren Augen – besonders interessantes Konzept ist die Demokratisierung der Landschaft. Denn anders als bei Siedlungen geht der Landschaftsplanung derzeit kein demokratischer Prozess voraus und der Raum außerhalb der Siedlungsgebiete wird sehr funktional betrachtet. Unter anderem dieses Vorgehen kann zu Frust bei Aktiven führen, die sich nicht wahr- und ernstgenommen fühlen und aus deren Sicht Klima- und Naturschutz stark vernachlässigt wird. Weitere Lösungsansätze ist eine verstärke baukulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen, aber auch die Optimierung der Lehre an Hochschulen und Universitäten und das integrative Zusammendenken von Architektur, Ökologie und Klima.

Um diese Ideen und neue Wege nach vorne zu bringen, braucht es in den nächsten Jahren vor allem Lobbyarbeit, um den Umgang mit der Landschaft im politischen Diskurs zu verankern. Anknüpfungspunkte dafür sind natürlich die Diskussion um Klima- und Naturschutz, aber auch urbane Transformation und Stadt-Land-Beziehungen. Zudem können, laut Ilka Mecklenbrauck, vor der Verwirklichung der großen Vision auch schon kleine Schritte gegangen werden und temporäre Ansätze Erfolge zeigen. Eine wichtiger Aspekt ist auch die gesellschaftliche Kommunikation und Überzeugungsarbeit über Bilder statt über Verbote, um die emotionalisierte Debatte zu verhindern und alte Bilder aufzubrechen.

Text: Annette Bathen
Foto: Ravi Sejk

Credits: Ravi Seick

Die Landschaft im Ruhrgebiet ist heterogen. Wie wollen wir mit ihr umgehen?


Werkstattbericht: Watt denn nu? Gesucht: ein neues Narrativ für´s Ruhrgebiet

werkstattbericht:
watt denn nu?
gesucht: ein neues narrativ
für´s ruhrgebiet

Zugegeben, es war ein frecher Versuch: In zwei Tagen wollte lala.ruhr eine Übersicht über die Narrative des Ruhrgebiets kollaborativ erarbeiten. Die Zwischenbilanz: 60 Menschen, die teilweise simultan auf einer digitalen Pinnwand zusammenarbeiten, können ein strukturiertes Ergebnis erreichen. Im Rahmen des 1. Festivals der Landschaft entstand so eine Landkarte der Ruhrgebiets-Narrative (Das Board ist über Mural hier einsehbar). Abgebildet sind Dinge, die man sich aktuell über das Ruhrgebiet erzählt und – wichtiger – Vorschläge dazu, was einem denn in Zukunft als erstes in den Sinn kommen soll, wenn man ans Ruhrgebiet denkt.

Sehr unterschiedliche Menschen haben an dieser Karte mitgearbeitet: Wissenschaftlerinnen & Aktivisten, Marketeers & Leute aus der Verwaltung, Ruhris & Weltenbummlerinnen. Sie alle haben sich um eine einfache Sprache bemüht, denn das zeichnet Narrative aus: sie sind nicht kompliziert, sondern einfach. Niicht schwerfällig, sondern leicht. Nur so wird es möglich, dass sich Narrative durch weitererzählen schnell verbreiten und irgendwann jede das Gefühl hat, sie habe das schon tausendmal gehört. Auch wenn Narrative recht profan daher kommen, ihre Macht darf nicht unterschätzt werden. Diese Mini-Geschichten stiften Sinn, tragen politische Botschaften, schaffen Identität oder vermitteln moralische Werte. Und so kommt es, dass der Begriff Narrativ in aller Munde ist. Ob Kommunen, Regionen oder Länder, ob Politik, Wissenschaft oder Marketing, alle fordern vehement „neue Narrative”. Meist steckt dahinter der Wunsch, alte unliebsame Narrative über sich selbst loszuwerden und neue Narrative zu prägen.

Aber kann das überhaupt gelingen? Können wir wirklich von oben (oder unten) steuern, was eine große Zahl von Menschen intuitiv als wahr erachtet? Können wir am Reißbrett eine Geschichte erfinden, die so eingängig ist, dass sie sich von selbst verbreitet und in den Köpfen festsetzt?

Auch die Teilnehmenden des Festivals diskutierten (schriftlich und mündlich) über diese Meta-Ebene der Narrativ-Suche. Drei kontroverse Positionen aus der Debatte möchte ich an dieser Stelle ohne Wertung nennen:

  • Ein Narrativ sei mehr als ein flotter Werbeslogan, bzw. lasse sich nicht durch noch so aufwändige Kampagnen erzwingen.
  • Ein Narrativ müsse professionell kommuniziert werden und einen soliden gedanklichen Überbau haben.
  • Die Diskussion über Narrative sei überflüssig und ginge an den eigentlichen Problemen des Ruhrgebiets vorbei.

Die Suche nach neuen (grünen) Narrativen für das Ruhrgebiet ist für lala.ruhr selbstredend noch nicht abgeschlossen, sie beginnt erst! Im Sinne des Open-Source-Gedankens ist jede:r eingeladen, die Landkarte der Narrative für sich zu nutzen und darauf aufzubauen. Wir freuen uns jederzeit über einen Gedankenaustausch. Schreibt uns an narrativ@lala.ruhr

Text: Matthias Krentzek, mxr storytelling, Team lala.ruhr

Wie erklärst du einem Bayern, wie sich Ruhrgebiet anfühlt? An was soll eine Berlinerin denken, wenn Sie Metropole Ruhr hört?


Werkstattbericht: Urban Re Creation – neue Bilder für innerstädtische Freiräume

werkstattbericht:
urban re creation - neue bilder
für innerstädtische
freiräume

Die Innenstädte der Ruhrgebietsmetropolen werden nach wie vor dominiert vom Individualverkehr. Hier drängt sich Auto an Auto, große Verkehrsachsen schränken Nutzungsmöglichkeiten für neue Mobilitätsformen und Aufenthalt ein. In unmittelbarer Nähe liegen häufig Fußgängerzonen, die immer weniger dem ehemaligen Anspruch als attraktive Shoppingmeile gerecht werden. Anhand von Konzepten und Best Practice-Beispielen haben Julian Altmann (Essen) und Dirk Becker (Dortmund) sich dieses Themas angenommen und mit Unterstützung des BDLA NRW neue Ansätze für zukunftsfähige innerstädtische Räume diskutiert, moderiert von Isabella de Medici (Planungsbüro DTP, BDLA).

Für die Veranstaltung urban re-creation wurde als Titel ein Wortspiel gewählt: “re-creation” von Innenstädten und Ihren Qualitäten. Die Impulse haben dies auf drei Ebenen aufgegriffen: Mit der Idee für eine Planung, einem Konzept und bereits realisierten Projekten.

Nach einem Impulsvortrag von Thomas Dietrich (Vorsitzender des BDLA NRW) zum Thema: “wie grün ist das denn?” mit Rückblicken und Ausblicken auf die Grüne Infrastruktur des Ruhrgebietes stellte Andreas Meissner vom Projektteam Emmissionsfreie Innenstadt Dortmund das Projekt  „Dortmunder Wallanlagen“ vor – heute ein fast ausschließlich vom Auto geprägter Raum, für den neue Bilder entwickelt werden. Dies geschieht unter anderem durch verschiedene Planfälle, die mit unterschiedlichen Verkehrsführungen, auch Radspuren, arbeiten.

Anhand der vorgestellten Masterarbeit des Landschaftsarchitekten Julian Altmann wurde eine Zukunftsvision für die Essener Innenstadt aufgezeigt. Seine Überlegungen zu Frischluftversorgung und Regenwassermanagement für das Zentrum endeten in einem starken Bild einer deutlich grüneren Freiraumgestaltung mit reduziertem Straßenraum – die heute achtspurige Essener Schützenbahn könnte sich so in einen Park verwandeln.

„Wenn wir immer nur vom Status Quo ausgehen, drehen wir uns im Kreis. Spuren produzieren Verkehr, Verkehr braucht Spuren. Wenn wir vier Spuren haben und bauen eine fünfte, so wird auch diese voll von Autos sein. Bauen wir dann die sechste oder muss Verkehr insgesamt neu gedacht werden?“

Bereits umgesetzte Best Practice-Projekte zum Thema “urban re-creation” präsentierte Stefan Bendiks. In seinem Vortrag lag der Schwerpunkt auf der Umsetzung und Durchsetzung gestalteter Straßenräume. Auch der Aspekt der Beteiligung und Mitnahme der Anwohner:innen wurden angesprochen. Welche Punkte bei den Projekten zu beachten und zu bedenken sind, formulierte Bendiks in Form von sechs Tricks, die in seinem Buch „Traffic Space is Public Space“ nachzulesen sind.

Die Diskussion in der mit über 60 Teilnehmenden sehr gut besuchten Veranstaltung entwickelte sich lebhaft, ausgehend von der Kernfrage: Denkt man ein Projekt zur Raumgestaltung anstatt von der Verkehrsplanung nicht besser von den Raumqualitäten aus? Dabei wurde deutlich, dass nach wie vor eine Diskrepanz besteht zwischen der Planungsrealität in den Ämtern, in der allzu oft vom Verkehr und entsprechenden Zählungen ausgegangen wird. Demgegenüber steht der Wunsch, Freiraum neu zu denken und aufzuteilen, damit zukünftig wieder vermehrt Menschen statt Autos unsere Innenstädte dominieren.

Text: Isabella de Medici
Foto: Julian Altmann

lala.ruhr ist das Labor für die Landschaft der Metropole Ruhr – eine Biennale der urbanen Landschaft!


lala.ruhr im enorm magazin

lala.ruhr
im
enorm magazin

Eine Woche ist es her, dass wir zusammen mit tollen Moderatoren, Workshopleitenden und über 280 Teilnehmenden das erste digitale Festival der Landschaft gefeiert haben. Das Feedback, auch das mediale, war riesig. Wer noch einmal nachlesen will, welche Idee hinter lala.ruhr steht und was die Landschaft des Ruhrgebiets so besonders macht, findet in der Online-Ausgabe der enorm ein Interview mit Sebastian und Melanie zum Festival und den Besonderheiten des Ruhrgebietes: „Hier ist der beste Ort, um Transformation zu erleben“. enorm versteht sich als Wirtschaftsmagazin für den gesellschaftlichen Wandel und berichtet über Unternehmen, Bewegungen und Menschen, die sich zur ökologischen und gesellschaftlichen Verantwortung bekennen.

Foto: Annette Bathen

lala.ruhr ist das Labor für die Landschaft der Metropole Ruhr!


Werkstattbericht: Bolzen für den guten Zweck – Umweltschutz kombiniert mit Fußball

Werkstattbericht:
Bolzen für den guten Zweck.
Umweltschutz kombiniert mit
Fußball

Eine Werkstatt zu Fußball auf einem Festival der Landschaft? Wo, wenn nicht im Ruhrgebiet! Eingeladen hatte Patrick Schulz von der Initiative „bochumbolzt“, die die enorme, integrative und kommunikative Kraft des Fußballs mit der Wirksamkeit von aktivem und lokalem Umweltschutz verbindet. Diese Kombination sieht in der Praxis derzeit so aus, dass, gemeinsam mit dem Fanprojekt Bochum, Fußballturniere oder Sportfeste für Schüler:innen auf einem nahegelegenen Bolzplatz oder direkt auf dem Schulhof organisiert werden. In den Spielpausen motiviert bochumbolzt die Bolzplatzheld:innen, die Spielfläche und die unmittelbare Umgebung vom achtlos weggeworfenen Müll zu befreien.

Und so stand auch die Session ganz im Zeichen des Fußballs: Zu Beginn der ersten Halbzeit wurden Gefühle und Erinnerungen zum Sozialraum Bolzplatz hervorgeholt und mögliche multifunktionale Potentiale besprochen, wie eine Einbindung von essbaren Elementen rund um den Platz. Zwischenergebnis: Der Bolzplatz im Quartier vermittelt und stärkt das Gefühl für Gemeinwesen – der Bolzplatz als räumlicher Anker, mit dem Ziel ein müllfreies und essbares Quartier zu schaffen.

“Aktuell gründen wir einen Dachverein. In naher Zukunft möchten wir Menschen aus den Ruhrgebietsstädten anregen und begeistern, die anfänglichen Methoden und Inhalte von bochumbolzt mit unserer Unterstützung auch in ihrer Stadt zu entfalten und gemeinsam weiterzuentwickeln.”

In der zweiten Halbzeit lag der Fokus auf Umweltschutz und der globalen Müllkrise, ausgehend von der Frage, warum wir auch lokal Müll sammeln sollten. Hier ging es um einen Gedankenaustausch zu einem sauberen Quartier und frühe Bewusstseinsbildung für die Produktion von Müll. Im letzten Drittel des Spiels wurden die Teilnehmenden eingeladen, den Rechner zu verlassen und kurz an die frische Luft zu gehen, um zu schauen, ob auch vor unserer eigenen Haustür Müll zu finden ist – und diesen ggf. direkt aufzusammeln.

Das Fazit der Teilnehmenden: „Sehr spannend, wie ihr Umweltthemen mit Fußball kombiniert!“ Über Fußball als die verbindende Sprache des Ruhrgebiets wurde in dieser Werkstatt demnach ein niedrigschwelliger Zugang zu regionalem Umweltschutz gefunden und ein erster, wertvoller Impuls für die Fokussierung auf den Sozialraum Bolzplatz erarbeitet.

Text: Patrick Schulz/Jan Bunse
Foto: Lukas Hagen

lala.ruhr ist das Labor für die Landschaft der Metropole Ruhr!


Werkstattbericht: Partizipation und Verantwortung für grüne Bahnhöfe

Werkstattbericht:
Partizipation und
Verantwortung für
grüne Bahnhöfe

Bahnhöfe sind Dreh- und Angelpunkte im städtischen Gefüge. Für die einen ein Transit-Ort auf dem Weg zur Arbeit oder einer Reise, für die anderen Treffpunkt und Ort für den (späten) Einkauf von Lebensmitteln, Blumen und Co. Gleichzeitig kann gerade ein Hauptbahnhof auch als Tor zur Stadt und Visitenkarte betrachtet werden, steht sein Umfeld doch für den ersten Eindruck. Genau hier setzte die Werkstatt „Partizipation und Verantwortung für grüne Bahnhöfe“ an, in der Wege und Methoden gesucht wurden, wie Vereine und Initiativen Anwohner:innen und Reisende gleichermaßen dazu motivieren können, Bahnhöfe und ihr Umfeld aktiv und nachhaltig mitzugestalten.

Die Vision der Werkstattleiterinnen Anne Fabritius und Petra Jablonická: Bahnhöfe und ihr Umfeld in grüne Orte mit Aufenthaltsqualität verwandeln, die von Vielen gerne aufgesucht werden und die sich des Konsums entziehen. Dass das durchaus möglich ist, beweisen sie als Teil von kitev (Kultur im Turm e.V.) bereits seit Langem im Oberhausen: Das Kollektiv veranstaltet Konzerte und Open Air-Kinoabende auf dem Museumsbahnsteig mitten im Oberhausener Hauptbahnhof, realisiert Ausstellungen u.a. in den Schaufenstern des Bahnhofsumfeldes, baut auch mal spontan eine Siebdruckwerkstatt im öffentlichen Raum auf. Und eröffnet in Kürze direkt am HBF, zwischen dem Haupteingang und der Filiale einer Fast Food-Kette, einen neuen Ort mit dem Arbeitstitel „Leerstand“, der zusammen mit Menschen im Duldungsstatus betrieben werden soll.

„Verweilen vs. Herumlungern: Die individuelle Wahrnehmung eines Ortes, in diesem Fall des jeweiligen Bahnhofs, hat auch Auswirkungen auf die Formate und Partizipationstools, die ich anbeiten kann. Ich werde sehr große Schwierigkeiten haben, Menschen für co-kreative Prozesse zu begeistern, wenn sie an diesem Ort gar keine Zeit verbringen, bzw. so schnell wie möglich wegwollen.“

Ausgehend davon, dass Bahnhöfen häufig ein negatives Image anhaftet, wurde aufbauend auf den Erfahrungen in Oberhausen, aber auch mit Blick auf Fallbeispiele aus Basel und Žilina-Záriečie (Slowakei) nach Wegen und Methoden gesucht, die Situation zu verändern.

Im Ergebnis stand eine Sammlung von kreativen Ansätzen, beispielsweise:

  • Aufbrechen von Denkweisen: Wer den ÖPNV nutzt, ist ein „climate super hero“ und sollte auch darauf hingewiesen werden
  • Die Schaufenster von Leerständen im Bahnhofsumfeld nutzen, um Informationen zu teilen und zur Beteiligung zu animieren. Auch nach dem Muster: „Sie haben 5/10/20/30/45 Minuten Zeit? Hier sind Vorschläge für Ihren grünen Aufenthalt am Bahnhof….“
  • Kleine Aktionen im Bahnhofsumfeld organisieren/ermöglichen, die nicht viel Zeit benötigen und identitätsstiftend wirken (Aufforderung: „Letzte Woche hat eine Reisende eine Pflanze im Hochbeet gegenüber des Hauptbahnhofs hinterlassen. Das dauerte 10 Minuten und absorbiert nun Co2 in Höhe X
  • Beteiligungsformate spielerisch gestalten. Für Gepäckaufbewahrung und mobile Spielelemente wie ein Mini-Trampolin sorgen
  • Stadtübergreifendes Netzwerk „Beteiligungsbahnhöfe“ etablieren, das einen „Bahnhofs-Pass ausgibt“ -> ein Stempel pro Stadt/Stadtteil/ Aktion

Wer nun Lust hat, sich im Bahnhofsumfeld seiner Stadt zu engagieren, kann sich dementsprechend gerne bei kitev in Oberhausen melden. Mit „Liveable City“ starten Petra und Anne hier in Kürze ein neues Projekt, dessen integraler Bestandteil Bahnhöfe und ihr Umfeld sind.

Text: Sonja Broy
Foto: Zuzana Jančeková für KITEV

lala.ruhr ist das Labor für die Landschaft der Metropole Ruhr!


Nach dem Festival: wir sagen Danke!

Nach dem Festival:
Wir sagen
Danke!

Freitag und Samstag fand unser Festival der Landschaft zum ersten Mal statt. Von dem großen Interesse, den inspirierenden Beiträgen und den vielen positiven Rückmeldungen sind wir ganz ergriffen.

Wir haben uns auf den Weg gemacht, mit der Idee “Labor der Landschaft” Geschichten für die Zukunft zu entwickeln und unsere Region damit zu gestalten. Alle Akteur:innen und Teilnehmer:innen haben dazu viel beigetragen. Wir haben viel Engagement und Begeisterung, Ideen und Motivation für das Thema geteilt. Vielen Dank! Es hat uns sehr viel Spaß gemacht!

Hier auf dem Blog werden wir in den kommenden Tagen und Wochen über die Ergebnisse des Festivals berichten. Wer sich schon jetzt ein Bild über die Ergebnisse machen möchte, findet hier das digitale Whiteboard der Abschlussveranstaltung. 

lala.ruhr ist das Labor für die Landschaft der Metropole Ruhr!


Gemeinsam die Städte der Zukunft diskutieren: lala.ruhr und das The Nature of Cities Festival kooperieren

Gemeinsam die Städte der Zukunft diskutieren: lala.ruhr und das The Nature of Cities Festival kooperieren

5 Tage, 12 Sprachen, über 100 Programmpunkte, die alle regionalen Zeitzonen abdecken: Das internationale The Nature Of Cities Festival (TNOC) bietet ein Programm der Superlative zum Thema “Bessere Städte für Natur und Menschen”, und untersucht dabei die zukunftsgerechten Aspekte des Städtebaus – widmet sich also global den Themen, die unser Festival der Landschaft in Bezug auf die Metropole Ruhr lokal diskutiert. 

Deshalb kooperieren das TNOC und lala.ruhr: Schon am Montag, 22. Februar, startet das Festival, das bis Freitag, den 26. Februar läuft. Freund:innen von lala.ruhr können sich kostenlos anmelden! Schreibt hierzu einfach eine E-Mail an “kontakt@lala.ruhr” und wir schicken euch die Anmeldedaten!

Der Wunsch des Veranstalter:innen-Teams, dessen Mitglieder aus verschiedenen internationalen, gemeinnützigen Organisationen stammen: “Schließen Sie sich einer vielfältigen internationalen Gemeinschaft städtischer Denker an, um unsere Städte heute neu vorzustellen und die Städte von morgen zu bauen. Hören Sie sich inspirierende Keynotes an und nehmen Sie an Plenardialogen teil. Machen Sie eine Exkursion und besuchen Sie Mumbai am Morgen und kehren Sie bei Einbruch der Dunkelheit nach Paris zurück”. Oder auch in die Metropole Ruhr – denn wenn das TNOC am kommenden Freitag, 26.02, endet, startet unser digitales Labor der Landschaft!

The Nature Of Cities Festival (TNOC)


Anmelden für das Festival für die Landschaft der Metropole Ruhr!

Anmelden
für das festival für die landschaft
der metropole ruhr!

Eigentlich wollten wir Euch vor Ort, direkt in der Landschaft, treffen – zum Arbeiten und Denken und Visionieren, zu Exkursionen und zum Netzwerken beim Abschlussbier. Aus gutem Grund bleiben wir bekanntlich aber derzeit alle Zuhause. 

Aber kein Grund, den Plan aufzugeben: Vorhang auf für das erste digitale Labor der Landschaft der Metropole Ruhr! Am 26. und 27. Februar treffen sich Stadtmacher:innen, Landschaftsgestalter:innen, Planer:innen, Aktivist:innen und Wissenschaftler:innen online, um gemeinsame Visionen für Natur, Landschaft und Grüne Infrastruktur in unserer Region zu diskutieren und zu gestalten.

Den Kern des Festivals bilden die insgesamt 13 interaktiven Werkstätten, verteilt auf beide Festivaltage. Impulsvorträge, ein Live-Podcast und ein buntes Rahmenprogramm mit Musik, Lesungen, Yoga und mehr lassen auf verschiedenen Online-Bühnen Festivalatmosphäre aufkommen.

Zur Eröffnung am Freitag, 26.2. von 10.00-11.00 Uhr gibt das lala.ruhr-Team Einblicke in die Ideen hinter dem Festival und dem Projekt. Außerdem gibt es Impulse und Gespräche mit folgenden Gästen Anja Bierwirth, Leiterin des Forschungsbereichs Stadtwandel am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie,Dr. Jan-Hendrik Kamlage, Forschungsbereich Partizipationskultur der Ruhr-Universität Bochum, Svenja Noltemeyer, Dortmunder Büro für Möglichkeitsräume und Nina Frense, Beigeordnete Umwelt und Grüne Infrastruktur des Regionalverbandes Ruhr.

Auch das Netzwerken und der informelle Austausch kommen bei lala.ruhr nicht zu kurz, denn wir eröffnen eine digitale lala.lounge. Macht es euch einfach mit Kaffee, Tee, Bier oder Wein auf der Couch gemütlich und wählt euch zu den angegebenen Zeiten ein!

Die Teilnahme am Festival ist kostenlos. Die Veranstaltung wird in deutscher Sprache durchgeführt, sofern es nicht anders angegeben ist. Die Plätze sind je nach Programmpunkt eventuell begrenzt.

Die entsprechenden Infos und Links zu den Werkstätten und Programmpunkten erhaltet ihr nach eurer Anmeldung rechtzeitig per Mail.

Meldet euch gleich an!

lala.ruhr ist das Labor für die Landschaft der Metropole Ruhr!


#thinklandscape

#thinklandscape:

denke Landschaft!

Die Idee von lala.ruhr
Klimawandel, Biodiversität, Grüne Infrastruktur, urbane Landwirtschaft, Gesundheit und Lebensqualität, direkt vor der Tür? Wie wir diese Themen heute gestalten, prägt unsere Stadtlandschaft von morgen. Wir laden dich in ein Labor für die Zukunft ein. Ein Labor für eine Landschaft, in der über 5 Millionen Menschen leben und arbeiten.

lala.ruhr – Das Labor für die Landschaft der Metropole Ruhr
Wir wollen diese Zukunft diskutieren und gestalten –  und dabei die Region als eine Landschaft verstehen. Weiterentwickeln, Neues erproben und erlebbar machen steht im Mittelpunkt aller lala.ruhr-Formate

lala.ruhr besteht aus Vielen
Wir sind ein Netzwerk  aus Expert:innen für Landschaft und Architektur, Stadtentwicklung und Räume, gemeinsames Arbeiten und Teilhabe, Kommunikation und Kollaboration – initiiert von Sebastian Schlecht und Melanie Kemner – und offen für weitere Kooperationen.

lala.ruhr beginnt an deiner Fensterbank
Für uns beginnt diese Landschaft, bei jedem zu Hause, auf dem Balkon, im Garten, vor der Haustür, in einem Riss im Gehweg, aus dem Grün sprießt. Grüne Infrastruktur ist die Vernetzung von der Fensterbank in die Stadt und darüber hinaus! 

lala.ruhr fordert Zugänge für Alle
Eine vielfältige Landschaft und ihre Zugänglichkeit sind der Schlüssel zur sichtbaren und spürbaren Lebensqualität. Der Zugang zu Grün darf deshalb kein Privileg sein – oder, anders gesagt: alle sollten privilegiert sein. Besonders lebendige Lebensräume entstehen überall dort, wo Mensch, Tier und Pflanze sich in der Landschaft begegnen und von ihr profitieren. 

lala.ruhr sieht grüne Luft nach oben
Derzeit wird Grüne Infrastruktur vor allem technisch gedacht und die Leistungen von Ökosystemen betont. Viel zu oft aber wird Grün noch als ein „nice to have“ angesehen, Boden wird versiegelt, Natur als Hindernis für Bauvorhaben oder Parkplätze angesehen. Urbane Natur ist aber ein Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit unserer Städte. Zeit, neu zu denken und zu diskutieren!

Deshalb sagen wir: denke Landschaft! #thinklandscape

lala.ruhr ist das Labor für die Landschaft der Metropole Ruhr!